Der Lautsprecherhersteller Sonos bietet seit Ende Oktober ein Rabattprogramm an, das funktionierende Lautsprecher unbrauchbar macht. Mit etwas zeitlicher Verspätung fällt diese Idee dem US-Unternehmen gerade auf die Füße.

Alte elektronische Geräte einfach in den Restmüll zu schmeißen, ist aus Klimaperspektive keine gute Idee. Dementsprechend starten immer mehr Tech-Unternehmen Nachhaltigkeitsprogramme, die die Wiederverwertbarkeit von Hardware erleichtern sollen. Auch der Hersteller Sonos hat seit einigen Monaten den Recycling-Modus bei seinen Geräten eingeführt. Doch so umweltfreundlich ist der womöglich gar nicht, vielleicht ist sogar der Begriff "Recycling" irreführend.

Umstrittene Rabattaktion

Seit Oktober 2019 können Besitzer der programmierbaren Lautsprecher von Sonos ihre alten Geräte "recyceln" – dafür gibt es dann 30 Prozent Rabatt bei Kauf einer neuen Version.

Das Problem dabei: Wer die 30 Prozent Rabatt haben will, muss den alten Lautsprecher in einen bestimmten Modus versetzen ("Recycling-Modus"), der einen eigentlich noch funktionierenden Lautsprecher unbrauchbar macht. Der Lautsprecher wird zwar nicht physisch in die Schrottpresse gesteckt, de facto gleicht der Recycling-Modus aber einer Verschrottung, denn im Recycling-Modus ist der Lautsprecher unbrauchbar.

"Mit dem Recycling-Modus, in den das Gerät vom Verbraucher gesetzt werden muss, macht der Hersteller das Gerät unbrauchbar."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Sonos sammelt die für den Verbraucher nutzlos gewordenen Lautsprecher nicht ein. Wer möchte, kann sie zwar einschicken, doch die meisten Leute behalten sie, manche entsorgen sie selbst. Dann findet im besten Fall ein Recycling der elektronischen Einzelkomponenten statt (was nicht immer garantiert ist). Erst dann lässt sich tatsächlich von einem "Recycling" sprechen.

Fraglich ist trotzdem: Kann generell ein Gerät recycelt werden, wenn das eigentlich noch funktioniert?

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Ein Mitarbeiter eines Recycling-Unternehmens in Kalifornien berichtete, ein Kunde sei mit fünf unbrauchbar gewordenen Sonos-Lautsprechern vorbeigekommen – obwohl sie hardwaretechnisch ja noch in Ordnung waren und es ja auch noch einen Gebrauchtmarkt für diese Geräte gebe.

Künstlich unbrauchbar machen, um Geld zu verdienen

Sonos sagt, das Unternehmen habe die älteren Geräte aus dem Verkehr ziehen wollen, weil sie "nicht mehr das aktuelle Sonos-Erlebnis bieten" können.

Musik oder Radio streamen lässt sich mit den Geräten aber weiterhin. Dass hier Geräte zerstört werden, die gut und gerne noch Jahre ihren Dienst verrichten könnten, regt manche User in den Kommentarspalten der Tech-Portale ganz schön auf, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll.

Andererseits ist es aus Sonos-Sicht ja auch verständlich, dass das Unternehmen ein Interesse daran hat, dass die Kunden möglichst aktuelle Lautsprecher-Modelle benutzen.

Sonos ist kein Einzelfall

Trade-up-Programme – also "alt gegen neu" – gibt es inzwischen bei vielen Herstellern. In der Regel verlangen diese aber das Einschicken des Produktes, sagt Andreas Noll. Damit erfährt der User nichts darüber, was mit den alten Geräten passiert

Auto Autobauer kurbeln so ihr Geschäft an: Sie bieten teilweise hohe Rabatte auf Neuwagen, wenn das alte Auto nachweislich verschrottet wird.

"Die Unternehmen wollen natürlich ihre neuesten Entwicklungen verkaufen. Da stören die alten Geräte natürlich – vor allem, wenn sie noch voll funktionsfähig sind."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Auch Handys, bei denen viele von uns regelmäßig ein funktionierendes Modell durch ein neues, noch schickeres Teil ersetzen, sind dafür ein gutes Beispiel.