Netzbastler Moritz Metz hat keinen Bock mehr, den riesigen IT-Unternehmen seine Daten in den Rachen zu schmeißen. Er kümmert sich deshalb um gut funktionierende Alternativen zu Facebook, Whatsapp und Co.

Moritz hat sich vorgenommen Facebook in Zukunft nur noch mit Fingerspitzen anzufassen und das Netzwerk vor allem mit viel weniger Infos zu füttern. Moritz sagt: "Facebook und seine Geschwister Instagram und Whatsapp bilden so ein großes Imperium, eine riesige Datenkrake, die Versprechen bricht, unsere Daten zu Geld macht und zudem fast keine Steuern zahlt." Er findet, wir sollten es uns gut überlegen, ob wir uns an deren Wertschöpfung beteiligen oder nicht.

Moritz erinnert:

  • an den Skandal um Cambridge-Analytica, bei dem aufgedeckt wurde, dass vor knapp zwei Jahren komplexe Datensätze von 87 Millionen Usern zu dubiosen Firmen abwanderten
  • daran, dass vor kurzem 267 Millionen Datensätze von Facebook-Usern ungeschützt im Netz standen, also zumindest Name, Facebook-Nummer und Telefonummer
  • an die unkontrollierten Fake-News
  • wie sehr Facebook das halbe Web verwanzt hat mit seinen Like-Buttons und verschiedenen Trackern – gerade in Kombination mit Werbenetzwerken
  • daran, dass immer noch im großen Stil Fake-Likes gehandelt werden

Moritz hat für sich beschlossen – denn ganz aufgeben möchte er seinen Facebook-Acount nicht –, dass er das Konto nur noch sehr sporadisch nutzt.

Die Facebook-App hat er seit Jahren schon nicht mehr auf seinem Smartphone, weil sie ihm zu viele Daten abverlangt. Die will viele Berechtigungen. Neulich hatte jemand rausgefunden, dass die Facebook-App heimlich im Hintergrund auf die Kamera zugreift.

Weg mit dem App-Ballast! Wer auf die von Facebook noch nicht ganz verzichten will, kann es auch mit dem Smartphone-Browser bedienen - bei allen sozialen Netzwerken lassen sich auch App-ähnliche Lesezeichen auf dem Handy-Desktop erstellen. "Wrapper"-Apps wie Friend.ly schaffen es auch, die im Mobilbrowser ausgeblendeten Facebook-Nachrichten anzuzeigen
© Screenshot
Weg mit dem App-Ballast! Wer auf die von Facebook noch nicht ganz verzichten will, kann es auch mit dem Smartphone-Browser bedienen - bei allen sozialen Netzwerken lassen sich auch App-ähnliche Lesezeichen auf dem Handy-Desktop erstellen. "Wrapper"-Apps wie Friend.ly schaffen es auch, die im Mobilbrowser ausgeblendeten Facebook-Nachrichten anzuzeigen

Dass die Facebook-App heimlich über das Mikrofon zuhört, ist von Journalisten und Forschern ziemlich klar widerlegt, also quasi eine Verschwörungstheorie. Gleichzeitig sagen dieselben Journalisten, dass die Wahrheit noch verstörender ist, weil die überall tief verwurzelten Algorithmen – dank Zugriff aufs Smartphone, den Standort etc. – so schlau sind, dass sie gar nicht per Mikrofon zuhören müssen, um unheimlich viele unserer Interessen vorauszuberechnen.

"Die App habe ich eh seit Jahren nicht, die ist ohnehin nicht zu empfehlen, weil sie zu schnüffelig ist."
Moritz Metz, Netzbastler

Wer die Facebook-App oder den Account nicht löschen will, kann zumindest seine Datenschutz-Einstellungen verbessern. Das ist bei den Privatsphäre-Einstellungen möglich, und es gibt dafür gute Anleitungen, was man auch bei den Einstellungen für Werbung machen muss. Moritz rät: "Am besten hat man auch einen sicheren Browser, der Tracking blockiert, wie zum Beispiel Firefox. Chrome gehört ja Google und verdient Geld mit Werbung."

Eine andere Möglichkeit ist die Jumbo-App, die räumt die Privatsphäre-Einstellungen unserer Accounts bei Facebook oder Google auf, indem wir uns über die App bei Facebook einloggen. Es passiert alles von unserem Gerät aus, versichern die Macher, nichts wird an sie übertragen. Die App wird von der New York Times und vielen anderen gelobt.

Die App "Jumbo" hilft mit den richtigen Sicherheits- und Privatsphäre-Einstellungen für diversen Internet-Großkonzernen - und ist auch beim Löschen alter, peinlicher Posts behilflich.
© Screenshot | Jumbo
Die App "Jumbo" hilft mit den richtigen Sicherheits- und Privatsphäre-Einstellungen für diversen Internet-Großkonzernen - und ist auch beim Löschen alter, peinlicher Posts behilflich.

Die Messenger bei Facebook und Whatsapp

2014 hat Facebook das als kleines Start-up angefangene Whatsapp für 22 Milliarden US-Dollar aufgekauft. Damals hatte der Großkonzern der kleinen Firma – mit idealistischen Gründern – versprochen, dass es keinen Datenaustausch zwischen Facebook und Whatsapp geben wird und dass Whatsapp weiterhin unabhängig und werbefrei bleiben soll.

Diese drei Versprechen hat Facebook inzwischen gebrochen. Whatsapp ist nicht mehr unabhängig von Facebook, es tauscht unsere Telefonbücher mit Facebook aus und ist dabei, Werbung zu schalten.

Das gab auch Ärger mit den Whatsapp-Gründern. Einer von ihnen, Brian Acton, schrieb auf Twitter, es sei Zeit, Facebook zu löschen. Und er kritisierte den Konzern: "Sie stehen nur für eine Reihe von Geschäftspraktiken, Prinzipien und Ethik, mit denen ich nicht unbedingt einverstanden bin." Von seinem Anteil hat er übrigens 50 Millionen Dollar an die Signal-Stiftung gespendet, deren Vorstand er angehört und die eine Alternative zu Whatsapp bietet.

Bei Whatsapp war Moritz ohnehin nie, aber wird jetzt auch Telegram von seinem Handy entfernen
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Bei Whatsapp war Moritz ohnehin nie, aber wird jetzt auch Telegram von seinem Handy entfernen.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat Anfang 2019 angekündigt, dass Facebook, Instagram und Whatsapp über eine gemeinsame Infrastruktur laufen werden und man sich Nachrichten zwischen den Plattformen senden können soll. Trotz Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Whatsapp bekommt Facebook dann mit, wem wir wann und wie viel wir schreiben. "Und diese Metadaten sind für Facebook ohnehin viel wertvoller. Weil sie leicht auszuwerten sind", sagt Moritz Metz. Die EU bemüht sich jetzt darum, das zu regulieren.

Wer sich überlegt, zum Jahreswechsel bei Whatsapp auszusteigen, dem empfiehlt Moritz Signal, Threema oder Wire – nicht Telegram. Und ganz wichtig: Es ist nicht damit getan, Whatapp vom Smartphone zu entfernen. Wir müssen vorher in der App den ganzen Account löschen.

Eine dezentrale Twitter-Alternative im "Fediverse" ist Mastodon - hier Moritz neuer Privataccount auf der Instanz chaos.social
© Screenshot | Mastodon
Eine dezentrale Twitter-Alternative im "Fediverse" ist Mastodon - hier Moritz neuer Privataccount auf der Instanz chaos.social

Soziale Netzwerke sind wie eingezäunte Gärten

Anstatt seine Daten komplett der Facebook-Whatsapp-Instagram-Familie auszuliefern, empfiehlt Moritz "Fediverse", ein Kunstwort aus Federation und Universe. Gemeint ist ein Netzwerk-Universum von dezentralen Social Networks. Wir kennen es vom E-Mail-Schreiben: Wir können mit einem GMX-Account auch eine Nachricht an ein Gmail-Konto schreiben, wir können jedoch mit einem Whatsapp-Account nicht außerhalb des Facebook-Imperiums kommunizieren.

Wer Fediverse betreiben will, kann sich eine sogenannte Instanz auf einem Server einrichten, zum Beispiel beim Microblogging-Dienst Mastodon. Das ist wie Twitter fürs Fediverse. Man muss sich die aber gar nicht runterladen und damit rumschlagen. Man kann sich auch bei einer der zahlreichen bestehenden Mastodon-Instanzen anmelden.

Auch einen Instagram-Klon gibts im Fediverse - Pixelfed. Der Netzbastel-Account auf pixelfed.de hat aber noch zu wenig Follower
© Screenshot | Pixelfeld
Auch einen Instagram-Klon gibts im Fediverse - Pixelfed. Der Netzbastel-Account auf pixelfed.de hat aber noch zu wenig Follower

Während Mastodon im Fediverse eine Alternative zu Twitter ist, bietet Pixelfeld ähnliche Funktionen wie Instagram. Ein Dienst zum Austauschen von Fotos. Der ist jedoch neu und hat zum Teil noch wenig User. Moritz sagt: "Das Fediverse ist, glaube ich, noch nicht so weit für die Weltherrschaft. Aber darum geht es auch niemandem!"

Moritz findet, es ist eher eine ernsthafte, gute Vernetzung von vielen verschiedenen Subkulturen und Nischen. Untereinander und auch miteinander. Und weil die Moderation meist strikter ist, wird auch kein Platz gelassen für Hate Speech, Rassismus oder Homophobie.

"Ich zum Beispiel habe mich beim CCC-nahen "chaos.social" angemeldet. Und heiße da @mtz@chaos.social"
Moritz Metz