800.000 Sozialwohnungen sollten bis 2030 gebaut werden, verlangt ein Verbändebündnis. Im Moment werden es täglich weniger.

In Deutschland gibt es zu wenig bezahlbaren Wohnraum – besonders in den Städten. Ein Verbändebündnis fordert, dass es bis 2030 zwei Millionen Sozial- wohnungen für Menschen mit geringen Einkommen geben soll. Heute sind es rund 1,2 Millionen.

Alle beteiligten Verbände haben ein großes Interesse daran, dass in Deutschland Wohnungen gebaut werden, sagt Francisca Zecher aus unserer Nachrichten- redaktion. Das Bündnis von Caritas, deutschem Mieterbund, IG Bau, der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau und dem Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel hat deswegen eine Studie in Auftrag gegeben, die den sozialen Wohnungsmarkt untersucht.

150.000 neue Wohnungen im Jahr

Zwischen 2011 und 2018 sind demnach die Mieten bei Wiedervermietungen in den sieben größten Städten zwischen 17 und 70 Prozent gestiegen. Auch auf Basis dieser Zahlen kommen sie zu der Forderung, dass es bis 2030 zwei Millionen Sozialwohnungen in Deutschland geben solle.

Das soll gelingen, indem bis 2030 jährlich 155.000 neue Sozialwohnungen dazu kommen. Davon müssten 80.000 neu gebaut werden. 75.000 schon bestehende Wohnungen sollen in Sozialwohnungen umgewidmet werden – beispielsweise indem Kommunen sie kaufen. Die Verbände gehen davon aus, dass dafür bis 2030 rund 6,3 Milliarden Euro aufgewendet werden müssen. Das Geld müsste von Bund und Ländern kommen.

"Allerdings kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass in Deutschland jeden Tag mehr als 200 Sozialwohnungen verschwinden."
Francisca Zecher, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredakteurin

Die Zahl der Sozialwohnungen reduziert sich statistisch gesehen täglich um rund 230. Das liegt daran, dass die Sozialbindung für sie ausläuft. Das sind Wohnungen, die eine bestimmte Zahl von Jahren nur als Sozialwohnung genutzt werden dürfen. Dann können sie auf dem Wohnungsmarkt zu marktüblichen Preisen vermietet werden.

Sozialwohnungen brauchen Fläche

Neben finanziellen Mitteln fordern die Verbände, dass Investoren, die Sozialwohnungen bauen, stärker gefördert werden sollen. Außerdem sollen Städte und Gemeinden vom Bund dazu angehalten werden, eigene Baugrundstücke zu niedrigen Preisen zur Verfügung zu stellen.

Angesichts der extremen Entwicklung der Mieten in den Großstädten, findet Francisca sozialen Wohnungsbau wichtig. Einen Nachteil des schnellen und günstigen Bauens sieht sie jedoch darin, dass ökologische Kriterien nur unzureichend berücksichtigt werden.

"Hier entsteht Wohnraum, der nicht viel kosten darf. Ich gehe davon aus, dass womöglich nicht viel Geld in nachhaltiges Bauen investiert werden kann, das nicht energiesparend und umweltfreundlich gebaut wird."
Francisca Zecher, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredakteurin

Wie sieht der Alltag auf dem sozialen Wohnungsmarkt aus? Fatma Askar lebt mit ihrer Familie in Berlin und sucht seit April 2019 eine Sozialwohnung in Berlin Moabit. Wir haben mit ihr über die schwierige Suche gesprochen. Hier könnt ihr das Gespräch anhören.

Fatma Askar, Wohnungssuchende in Berlin
"Das ist Stress. Man muss die Papiere holen, man muss alle drei Monate die Schufa bezahlen, die Papiere kopieren."