Francis Seeck forscht zum Thema Klassismus – also der Diskriminierung aufgrund von sozialer Herkunft oder Position. Francis sagt: Klassismus fördert soziale Ungleichheit und wird als Diskriminierungsform bisher viel zu wenig beachtet. Francis selbst hat Klassismus schon als kleines Kind erlebt.

In Francis Kita-Zeit gab es eine Erzieherin, die Francis und Francis Mutter immer sehr genau beobachtet hat. Als Francis einmal vom Wochenende erzählen soll, berichtet Francis stolz, dass sie in der Pizzeria waren. "Und dann kam so ein Spruch: Ach, dass ihr euch das leisten könnt, ihr bezieht doch Sozialhilfe." Vorurteile gegenüber erwerbslosen Menschen hat Francis also schon früh erlebt.

"Das Gefühl der Scham spielt immer eine große Rolle."
Francis Seeck, Sozialwissenschaftler*in

Dass es sich dabei um Klassismus handelt, wusste Francis damals noch nicht – der Begriff war Francis schlicht noch nicht bekannt. Aber ein Bewusstsein dafür, dass Menschen aufgrund von Klassenzugehörigkeit eingeordnet oder bewertet werden, hatte Francis schon früh, da Francis Mutter Erwerbslosenaktivistin war und unter anderem Hartz-IV-Proteste mit organisiert hat. "Wir waren reich an Wissen und Bildung und arm an Geld", sagt Francis.

"Ich bin mit einem sehr großen Klassenbewusstsein aufgewachsen."
Francis Seeck, Sozialwissenschaftler*in

Heute ist Francis promovierte Kulturanthropolog*in und Antidiskriminierungstrainer*in und forscht zum Thema Klassismus und soziale Ungleichheit an der HU Berlin. Klassismus ist – ähnlich wie Rassismus oder Sexismus – eine Diskriminierungsform und beschreibt die Diskriminierung von Menschen aufgrund sozialer Herkunft oder Position.

Klassismus: Viel zu wenig beachtete Form der Diskriminierung

Klassismus richtet sich also beispielsweise gegen arme, erwerbslose, wohnungslose Menschen und/oder gegen Arbeiter*innen. Und Francis sagt: Klassismus ist eine bisher viel zu wenig beachtete Form der Diskriminierung – es gibt bisher beispielsweise keine rechtliche Grundlage, um dagegen zu klagen.

"Klassismus prägt unsere ganze Gesellschaft, ist aber überhaupt nicht anerkannt."
Francis Seeck, Sozialwissenschaftler*in

Dabei führt Klassismus laut Francis dazu, dass sich soziale Unterschiede verstärken und die soziale Ungleichheit wächst. Außerdem führt er bei Betroffenen dazu, dass sie den Fehler bei sich selbst suchen: "Klassismus wirkt oft nach innen, führt zu Scham und Selbststigmatisierung", sagt Francis.

Warum es so wichtig ist, mehr über Klassismus zu sprechen und wie Francis mit Kritik an der Klassismusdebatte umgeht, hört ihr in dieser Ausgabe Deep Talk.