Nach der Erfindung von Sprache, Schrift und Buchdruck befinden wir uns gerade im Übergang zu einer neuen Medienepoche: die Epoche der Netzwerk-Gesellschaft. Erstmals ist eine Gesellschaft besonders von der Kommunikation durch Maschinen geprägt. Durch digitale Technik und künstliche Intelligenz wird diese von nie da gewesenen Möglichkeiten geprägt, beschreibt der Soziologe Dirk Baecker in seinem Vortrag.

Ob bei Social Media oder in den künftigen Clouds beim Gaming: Wir sind euphorisiert von einer digitalen Welt. Doch nicht nur das. Auch Nervosität, Unruhe und Orientierungslosigkeit machen sich breit. Wer stundenlang online spielt und währenddessen literweise Junkfood in sich hineinkippt, wird krank. All das sind Phänomene, mit denen sich Forscher – egal ob in der Medizin oder der Soziologie – zunehmend beschäftigen.

"Vor unserem Bildschirm beherrschen wir alle körperlich eine Technik, von der wir mental noch nicht wissen, was sie mit uns anstellt."
Dirk Baecker, Soziologe

Laut Dirk Baecker sind wir gleichzeitig Täter und Opfer einer Digitalisierung, die wir selbst vorantreiben. Der Soziologe versucht, anhand schon jetzt bekannter Parameter vorherzusagen, wie die Gesellschaft nach uns aussehen wird. Und er prophezeit, dass deren Teilnehmer, wie er sie nennt, in Netzwerken leben werden. Jeder in seiner Filterblase sozusagen.

Die Gesellschaft der Zukunft lebt in eigenständigen Netzwerken

Dirk Baecker erklärt, dass wir bereits in einer viel differenzierteren Gesellschaft leben als uns bewusst ist. In seinem Vortrag untersucht er zudem, was die Gesellschaft der Zukunft antreibt: Wird diese noch so vernunftgeleitet sein, wie das die Soziologen in der Vergangenheit stets glaubten? Nach diesem Hörsaal-Vortrag eher nein: Die Vernunft ist für die Soziologie "kein Integrationskonzept" der nächsten Gesellschaft mehr, berichtet Dirk Baecker.

Das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft und die Bundeszentrale für politische Bildung haben sich in ihrer Redenreihe Making Sense of The Digital Society mit den Veränderungen in den europäischen Gesellschaften befasst. Am 16.04.2019 sprach Dirk Baecker über "Digitalisierung und die nächste Gesellschaft". Baecker ist systemtheoretischer Soziologe und Lehrstuhlinhaber für Kulturtheorie und Management an der Universität Witten/Herdecke.