Kannst du einspringen? Das wird Rahel oft gefragt, und dann sammelt die Heilerziehungspflegerin Überstunden. Auf die könnte sie gut verzichten, ihre Arbeit mit Menschen mit Behinderungen findet sie aber sinnvoll. Wie wichtig dieser Sinn im Job für die eigene Gesundheit ist, erklärt Psychologin Hannah Schade.

Es ist ein Job, der gemacht werden muss, findet die Heilerziehungspflegerin Rahel. Sie arbeitet in einem Wohnheim für Menschen mit geistigen Behinderungen und sagt auch: "Ich finde den Job absolut wichtig". Damit bringt die Arbeit für sie beides zusammen: Verpflichtung und Sinn.

Rahel ist unter anderem für die medikamentöse Versorgung der Menschen, die sie betreut, zuständig. Krankheitssymptome muss sie ebenfalls genau im Blick haben. Der straffe Zeitplan im Wohnheim kommt ihr entgegen.

"Überstunden entstehen dadurch, dass wir in unserer Freizeit reinkommen, weil ein anderer Kollege krank wird oder irgendwas passiert."
Rahel, Heilerziehungspflegerin

Meistens kann sie pünktlich Schluss machen. Viele Überstunden kommen bei ihr deswegen zusammen, weil sie immer wieder Extra-Schichten übernimmt. Wenn jemand ausfällt, wird sie regelmäßig gefragt, ob sie einspringen kann. "Ich gehe durchaus auch an meinen freien Tagen an mein Telefon, wenn die Arbeit anruft", sagt sie. Damit keine der Heimbewohner unbeaufsichtigt bleiben müssen.

Nach Schichtende belastet Rahel ihre Arbeit nur selten. Sie malt dann gerne, zockt an der Konsole oder trifft ihre Freunde.

"Wenn nicht gerade etwas sehr Übles auf der Arbeit passiert ist, dann kann ich das auch gut vergessen."
Rahel, arbeitet als Heilerziehungspflegerin

"Sinn zu erleben bei der Arbeit, hält gesund", ist Hannah Schade überzeugt, Psychologin am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung der Technischen Universität Dortmund.

Sinnvolle Arbeit als Bedürfnis

Mit dem, was wir tun, einen positiven Effekt auf die Umwelt haben zu wollen, sei ein menschliches Bedürfnis. Und zu versuchen, dieses Bedürfnis mithilfe der beruflichen Tätigkeit zu stillen, ist für Hannah Schade natürlich.

Demgegenüber stellt sie entfremdetes Arbeiten - zum Beispiel in einem Job, in dem man keinen Sinn sieht und nur Befehle befolgt. Historisch gesehen sind diese Tätigkeiten seltener geworden.

Hannah Schade, Leibniz-Institut für Arbeitsforschung, Technische Universität Dortmund
© Stefan Tempes
Hannah Schade, Leibniz-Institut für Arbeitsforschung, Technische Universität Dortmund
"Es macht krank, wenn ich entfremdet arbeite. Wenn ich keinen Sinn in meiner Arbeit sehe."
Hannah Schade, Leibniz-Institut für Arbeitsforschung, Technische Universität Dortmund

Allerdings bringt ein Arbeiten mit größerer Eigenverantwortung eventuell auch Probleme mit sich: Seit 10, 20 Jahren gibt es vermehrt die Möglichkeit im Feierabend noch weiterzuarbeiten, sagt Hannah Schade – mit dem Laptop beispielsweise oder dem Smartphone.

Eine klare Grenze zwischen Arbeit und Feierabend zu ziehen, sei wichtig für die Organisationskultur eines Unternehmens. Am Ende fördere das die Leistungsfähigkeit der Arbeitenden und vermeide gesundheitliche Schäden. Gerade bei flexibleren Arbeitsmodellen müssten Arbeitnehmende freie Zeiten ernst nehmen.

"Das einzig Sinnvolle ist, dass man wirklich den Feierabend wertschätzt in seiner Wichtigkeit für den Erhalt der Leistungsfähigkeit und als Gesundheitsprophylaxe."
Hannah Schade, Leibniz-Institut für Arbeitsforschung, Technische Universität Dortmund

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  • Moderator:  Dominik Schottner
  • Gesprächspartnerin:  Rahel, arbeitet als Heilerziehungspflegerin
  • Gesprächspartnerin:  Hannah Schade, Leibniz-Institut für Arbeitsforschung, Technische Universität Dortmund