Unsere Arbeitswelt verändert sich rasant. Viele neue Jobs, vor allem im digitalen Bereich, kommen dazu. Leider werden auch die Jobtitel immer länger - und oft sind sie auch noch in Englisch. Wir fragen uns: Warum?

Aus unserem Moderator könnte der "Head of Hielscher oder Haase" werden. Und in der Regie könnten die "Show Development Designerin" und der "Show Development Designer Assistant" sitzen, unser Praktikant. Okay, das haben wir uns nur ausgedacht. Der bekloppteste Jobtitel, den unsere Reporterin Anna Kohn im Real Life gefunden hat, ist "Identity Architect", die Stelle war mal bei der BBC ausgeschrieben.

"Was ein 'Identitätsarchitekt' macht? Keine Ahnung."
Anna Kohn, Deutschlandfunk Nova

Grundsätzlich sollten Jobtitel für Ordnung sorgen, so dass man die Hierarchie in einem Unternehmen verstehen kann. Allerdings verändert sich unsere Arbeitswelt permanent. Vor allem in digitalen Berufszweigen kommen Berufe und damit auch Jobbeschreibungen dazu, die es früher gar nicht gab. Und oft verwirren sie mehr als dass sie Klarheit bringen. Für manche Jobs muss man Titel ja auch ganz neu erfinden: Wie nennt man zum Beispiel jemanden, der überwacht, wie ein Unternehmen in den Sozialen Medien rüberkommt?

Rollen statt Jobtitel

Die andere Möglichkeit: Man schafft Jobtitel einfach ganz ab. Das hat Christian Reschke in seiner 60-köpfigen Digitalagentur Kühlhaus so gemacht. "No title, just roles" steht auf den Visitenkarten des Unternehmens unter dem Namen. Auf der Webseite ist Reschke zwar noch als "CEO" geführt, daneben steht aber dann noch "+20 other roles". Je nachdem, mit welchem Kunden und an welchem Projekt er gerade arbeitet, ist er dann zum Beispiel Salesmanager oder Projektmanager.

"Titel haben aus meiner Sicht eine mentale Beschränkung. Man macht ja mehr Arbeit, als man in einen Jobtitel reininterpretieren kann."
Christian Reschke, "CEO + 20 other roles" bei der Agentur Kühlhaus

Die Agentur Kühlhaus hat ihre ganze Organisationsstruktur – und dabei auch den Umgang mit Jobtiteln – umgestellt. Diese würden nämlich "mentale Beschränkungen" mit sich bringen, sagt Reschke. Rollen entsprächen dagegen eher dem, was wirklich getan werde.

Offiziell und intern

Bei einem richtig großen Unternehmen, etwa SAP mit über 90.000 Mitarbeitern weltweit, ist das aber schon schwieriger. Solche Firmen brauchen eine feste Hierarchie samt Jobtiteln, um klare Zuständigkeiten zu kommunizieren. Obwohl es nach außen ganz offizielle Titel gibt, gehe es intern aber auch immer häufiger ohne, also immer interdisziplinärer, so der Personalvorstand von SAP im Magazin Businesspunk.

Spätestens beim Thema Arbeitszeugnis greift aber auch Christian Reschke mit seiner Digitalagentur auf Jobtitel zurück, damit die Außenwelt etwas damit anfangen kann. In den Zeugnissen steht, was die Leute gemacht haben und welchen Jobtiteln das entspricht.

"Bei den Arbeitszeugnissen brauchen wir ein Match mit der Außenwelt."
Christian Reschke, "CEO + 20 other roles" bei der Agentur Kühlhaus

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