Pillen zur Schwanzverlängerung, nigerianische Schwarzgelddeals - Spam-Mails sind ein lukratives Geschäft. Jetzt geht es dem Spam-König an den Kragen.

Wir hassen Spam! Was gibt es Nervigeres, als all diesen Müll, der unsere Postfächer verstopft, und der uns auf die eine oder andere Art reinlegen will, der uns Penis-Enlargement-Pills verkaufen will oder uns weißmachen will, dass der ehemalige kongolesische Außenminister dringend ein paar Millionen Schwarzgeld auf unser Konto verschieben will. Was sind das für Leute, die sich so was ausdenken? Menschen wie Spamkönig Sanford Wallace. Er soll eine halbe Million Facebook-Accounts in einer Phishing-Kampagne gekapert und insgesamt 27 Million Spam-Messages verschickt haben.

Vom Bundesbezirksgericht in San José, Kalifornien, hat er deshalb gerade eine Strafe von zweieinhalb Jahren Haft aufgebrummt bekommen. Fünf weitere Jahre sind auf Bewährung ausgesetzt. Dieser Sanford Wallace ist heute 47 und ein ganz besonderer Typ, so eine Art Kim Dotcom des Spam. Im Netz hat er es zu Ruhm gebracht - wenn auch auf eher zweifelhafte Art und Weise.

"Spamford Wallace ist im Netz sehr, sehr berühmt - wenn auch auf eine berüchtigte Art und Weise."
Netzautorin Martina Schulte

Berüchtigt war vor allem seine Firma Cyber Promotions, die schon in den Neunzigern überall als Spamquelle verhasst war. Das Netz nannte Sanford meist "Spamford" oder "Spammy" aber das war ihm egal. Er hat sich eigentlich immer in seinem Ruhm gesonnt, und seit 1997 selbst als Spam King bezeichnet. Er scheint seinen Job wirklich zu lieben und ihn sogar als eine Art Berufung zu sehen.

Wie wird man Spammer?

Vor seiner Karriere als E-Mail-Spammer hat Wallace es schon in der Offline-Welt zu einer gewissen Berühmtheit gebracht, und zwar als Versender vom Spam-Faxen, die zum Beispiel für Steinsalz oder irgendwelche Restaurants warben - und die für den armen Menschen, der sie bekam, die Hölle waren - weil für Wallaces Spamattacken viele Meter des damals sehr teuren Faxpapiers draufgingen.

Dann kam 1995 Cyberpromotions, seine berühmt berüchtigte erste Netz-Spam-Firma. Eigentlich eher ein Firmenkonglomerat. Die Spammerei hatte er so perfektioniert, dass er es schon in den Neunzigern schaffte, 30 Millionen Junk-E-Mails an einem einzigen Tag zu verschicken. Dafür hat er damals auch den alternativen Netznobelpreis Ig-Nobelpreis in der Sparte Kommunikation bekommen. Sanford war zum Beispiel sehr früh der Master des Relaying, er schickte seinen Spam also über die Server anderer und konnte so lange nicht geschnappt werden

Es gab Zeiten, da waren alle hinter ihm her: Das FBI, die US-Handelskommission, AOL, Anti-Spam-Aktivisten. Er bekam Gerichtsverfahren, Strafzahlungen und technische Blockaden aufgebrummt. All das hielt ihn aber nicht davon ab, Internetnutzer weiterhin mit Werbung zu bombardieren. 1999 wurde sogar seine Internetverbindung gekappt - als Strafe für seine Spammerei und seine Uneinsichtigkeit. Er hat es dann zunächst mit einer normalen Firma versucht, musste aber feststellen, dass das leider gar nicht so einfach war, auf normale Weise Geld zu verdienen,

Also ging es zurück in Netz. Diesmal spammte er die Besitzer von Myspace-Accounts voll. The Register schreibt: "Jeder, der sagt, dass Verbrechen sich nicht auszahlt, kennt Sanford Wallace nicht." In nur sechs Monaten gelang es ihm, mit einer Kombination aus Malware und Social Engineering eine halbe Million Dollar zusammenzuspammen und arme Myspace-User auf Porno- oder Zockerseiten zu routen, die er unter seiner Kontrolle hatte.

"Jeder, der sagt, dass Verbrechen sich nicht auszahlt, kennt Sanford Wallace nicht."

Wallace hatte das Kommando über mehr als 11,000 gefakte Myspace-Profile, 300.000 weitere Accounts von nichts ahnenden Usern hatte er gehackt, und von diesen Accounts begann er gnadenlos Links zu seinen Spamseiten zu verschicken, die sich nicht löschen ließen. Und wenn man einmal drauf war, verwandte er einen sogenannten mousetrapping code. Die Folge: Niemand kam mehr von den Seiten runter. Für diese Aktion hat ihn und einen Geschäftspartner das US-Bundesbezirksgerichtes in Los Angeles zu 239 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt, aber das war immer noch nicht das Ende.

Eine Milliarde Dollar Schadenersatz

Den entscheidenden Fehler machter er, als er die gleiche Masche, die er bei Myspace abgezogen hatte, bei Facebook versuchte. Allein mit vier Sessions, die zwischen November 2008 und Februar 2009 lagen, überflutete er mehr als 550.000 Facebook-Nutzer mit 27 Millionen Spam-Nachrichten. Und das ist auch die Aktion, für die er das aktuelle Urteil kassiert hat: zweieinhalb Jahre plus fünf Jahre Bewährung, plus 711 Millionen US-Dollar Schadenersatz - die höchste Strafe, die je ein amerikanisches Gericht nach dem US-Anti-Spam-Gesetz CAN-SPAM verhängt hat. Und damit ist noch gut weggekommen. Facebook hatte sieben Milliarden Dollar Strafe verlangt. Insgesamt sind bei Wallace damit eine Milliarde Dollar Schadenersatz aufgelaufen.

Im September soll er seine Haftstrafe antreten. Nach seiner Entlassung soll dann eine fünfjährige Bewährungszeit kommen. Außerdem muss sich Wallace einer psychiatrischen Behandlung unterziehen. Zu den Bewährungsauflagen gehört es, keinen Computer zu besitzen. Aber vielleicht arbeitet er dann wieder mehr als DJ, denn er legt auch noch in einem Club in Las Vegas auf.