Die Mehrheit der Delegierten hat für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen gestimmt. Sara Zorlu nicht. Sie erklärt, warum.

Die SPD hat auf ihrem gestrigen Parteitag (21.01.) für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen gestimmt. 56 Prozent der Delegierten stimmten dafür, womit die Abstimmung ziemlich knapp ausfiel.

Dass die SPD in dieser Frage gespalten und unsicher ist, hat Sara Zorlu bei sich selbst erlebt, sagt sie. Sie ist Lokalpolitikerin in Eitorf bei Bonn und konnte als Delegierte auf dem Parteitag abstimmen. Sie hat zwar gegen die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen gestimmt, sich die Entscheidung bis zuletzt aber nicht leicht gemacht, sagt sie.

"Wenn die Verhandlungen so geführt werden, wie Nahles es vorgebracht hat, dann ist das ein guter Anfang."
Sara Zorlu, SPD-Delegierte

Zum einen freut sie sich, wenn ihre Partei Regierungsverantwortung übernimmt, und eine Erneuerung der Partei könne in der Regierung genauso stattfinden wie in der Opposition. Außerdem hätte die SPD auch nicht nennenswert dazu gewonnen, als die Union zusammen mit der FDP regiert hat. Zudem könnte die SPD bei Neuwahlen noch schlechter abschneiden.

Parteiführung soll nachverhandeln

Andererseits aber spräche auch viel gegen eine erneute Groko:

Das Sondierungspapier hat Zorlu nicht ausgereicht, zum Beispiel bei den Themen Gesundheit und Finanzierung des Gemeinwesens. Zum anderen hätte sie die Union in den vergangenen Jahren als nicht sehr zuverlässigen Partner erlebt. "Wir hatten einige Dinge beschlossen, die dann später blockiert wurden", sagt sie.

Theo Geers, Deutschlandfunk Nova
"Die SPD weiß nicht, was sie will. Die komplette Parteispitze wirbt, und nur 56 Prozent stimmen dafür. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, wie zerrissen die Partei ist."

Zorlu hofft jetzt auf Nachverhandlungen. Das sei der Parteiführung deutlich mit auf den Weg gegeben worden: In den Koalitionsverhandlungen müssten einige Themen wieder auf den Tisch.