Alles sah danach aus, als hätte Martin Schulz einfach gut verhandelt - auch für sich. Doch er hat die Rechnung ohne seine eigene Partei gemacht.

Martin Schulz wird auf das Amt des Außenministers verzichten. Schriftlich hat er erklärt, dass seine Ambitionen hinter den Interessen der Partei zurücktreten müssten.

Nadine Linder, Korrespondentin im Hauptstadtstudio, nimmt die SPD seit Tagen als eine aufgewühlte Partei wahr. Innerhalb der Sozialdemokraten gebe es großen Unwillen überhaupt in eine Koalition mit CDU/CSU zu gehen. Die Ungewissheit des Mitgliederentscheids sei für die Partei eine Belastung.

Schulz ist vom Plan der Partei abgewichen

Unsere Korrespondentin berichtet, dass die Partei zwar mit dem Verhandlungsergebnis von Martin Schulz und den sechs SPD-Ministerien zufrieden sei, seinen Griff nach dem Außenministerium aber verurteile. 

Martin Schulz habe sich nicht an den ursprünglichen Plan gehalten, der vorsah, dass die konkrete Besetzung der Ministerien zunächst offenbleiben solle.

"Falls dieser Mitgliederentscheid schief geht, das würde ein Riesenproblem für die SPD sein. Das wollte er offensichtlich mit diesem Harakiri-Manöver verhindern."
Nadine Lindner, Korrespondentin im Hauptstadtstudio

Viele Parteimitglieder würden die Entwicklung der vergangenen Wochen nun so verstehen, dass Martin Schulz sie zunächst zu Verhandlungen mit CDU/CSU gedrängt habe, um seine eigenen Ambitionen auf ein Ministeramt durchzusetzen.

Nadine Lindner vermutet, dass Martin Schulz mit seinem Rückzug von dem Amt des Außenministers erreichen möchte, dass der Mitgliederentscheid nicht scheitert, also die Parteimitglieder für die Große Koalition stimmen werden.

"Der Druck auf Schulz vor allem aus dem Landesverband Nordrhein-Westfalen - die fanden das einfach nicht mehr tragbar, wie Schulz sich verhalten hat."
Nadine Lindner, Korrespondentin im Hauptstadtstudio

Welche Rolle spielt der amtierende SPD-Außenminister Sigmar Gabriel beim Rückzug von Martin Schulz? Der Streit zwischen den beiden Spitzenpolitikern sei eskaliert, berichtet Nadine Lindner. Sie hält es für gut möglich, dass der Druck aus dem SPD-Landesverband NRW zu groß wurde. 

Zur weiteren Eskalation hat, aus Nadine Lindners Sicht, ein Interview mit Sigmar Gabriel beigetragen. Er wirft Martin Schulz und der Partei Wortbruch vor. Wer nun Außenminister wird? Darüber kann man nur spekulieren. Nadine Lindner sieht zwei Möglichkeiten: Sigmar Gabriel macht weiter, oder die Entscheidung wird erst nach dem Mitgliederentscheid getroffen.

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