Spendenaufrufe, die uns unter Druck setzen, funktionieren schlecht, sagt der Neurowissenschaftler Henning Beck. Warum wir spenden, hat andere Gründe. Einer davon: Die Spende hilft uns dabei, einen inneren Konflikt aufzulösen.

Wenn wir etwas spenden, verhalten wir uns paradox – eigentlich. Denn: Wir geben etwas ab und erhalten im Gegenzug nichts Konkretes zurück, erklärt Neurowissenschaftler Henning Beck. Mit einer Spende an zum Beispiel eine Hilfsorganisation kaufen wir uns allerdings eine Möglichkeit, einen inneren Konflikt oder einen Widerspruch aufzulösen.

"Eigentlich ist spenden ein sehr paradoxes Verhalten: Ich gebe etwas, ohne selbst konkret etwas zurückzukriegen."
Henning Beck, Neurowisssenschaftler

Umgangssprachlich sprechen wir oft vom schlechten Gewissen, neurowissenschaftlich geht es dabei um eine kognitive Dissonanz, sagt Henning Beck. In so einem Fall können wir zwei Gedanken nicht miteinander vereinbaren: Wir sind zum Beispiel gegen den Hunger in der Welt, unternehmen aber aktiv nichts, um etwas an dem Zustand zu verändern. In unserem Kopf entsteht ein Widerspruch. Eine Spende sei ein Angebot, um sich von diesem inneren Konflikt zu befreien.

Spenden ist ein paradoxes Verhalten, das verbindet

Warum geben wir etwas, ohne dafür eine direkte Gegenleistung vom Empfänger zu erwarten? Henning Beck findet das auch erstaunlich. Er meint: Spenden könnten dazu dienen, ein komplexes soziales System wie eine Gesellschaft zu verbinden. Sie dient also dem Zusammenhalt.

"Es ist erstaunlich, dass Menschen sehr häufig dazu bereit sind, etwas zu tun, ohne eine direkte Gegenleistung zu erwarten: Trinkgeld oder Spenden."
Henning Beck, Neurowisssenschaftler

Am stärksten motiviert zu spenden sind wir dann, wenn wir den Effekt, den unsere Spende hat, ganz deutlich, plastisch und griffig erfahren können, sagt Henning Beck. Das macht uns zufrieden und glücklich, so der Neurowissenschaftler.

"Bilder sagen mehr als 1000 Worte."
Henning Beck, Neurowisssenschaftler

Übrigens: Spendenkampagnen die uns unter Druck setzen, funktionieren nicht gut. Denn: Der Kopf sagt zuerst "Nein", so Henning Beck. Unser schlechtes Gewissen als Motivation zu nutzen, könnte also genau das Gegenteil bewirken.

Spendenkampagnen, die mit Bildern arbeiten und unsere Emotionen ansprechen, funktionierten schon besser. Wenn wir sehen, dass auch Freunde gespendet haben, motiviert uns das zusätzlich - Stichwort "Gruppendynamik". Am liebsten spenden aber diejenigen, sagt Henning Beck, die dafür keinen Anlass oder keine Begründung brauchen, und das ganz aus freien Stücken heraus tun.