Viele Organe schaffen es nicht rechtzeitig zum Empfänger, bevor sie verfallen sind. Einfrieren und Auftauen könnten eine Option sein. Das ist aber gar nicht so einfach.

Manchmal können Spenderorgane nicht verwendet werden, weil sie nicht schnell genug zum Empfänger kommen. In Deutschland ist das selten der Fall, was hauptsächlich daran liegt, dass es hier sowieso sehr wenige Spenderorgane gibt. In den USA aber werden rund 60 Prozent der Spenderherzen und -lungen nicht verwendet, weil sie den Empfänger nicht ausreichend schnell erreicht haben.

"Das Auftauen des Organs muss schnell und gleichzeitig geschehen, sonst nimmt es Schaden."
Johannes Wimmer, Notfallarzt

Nützlich wäre eine Methode, mithilfe derer Spenderorgane länger als bisher "frisch" bleiben. Einfrieren ist eine Möglichkeit. Das Problem: Beim normalen Einfrieren bilden sich Eiskristalle, das Wasser dehnt sich und zerstört Zellen (nach diesem Prinzip platzen auch Bierflaschen, die man im Eisfach vergisst) - das Organ wäre nicht mehr zu gebrauchen.

Ein Forscherteam rund um Navid Manuchehrabadi von der University of Minnesota hat nun im Fachjournal "Science Tranlational Medicine" eine Möglichkeit präsentiert, die Organe ohne das Zerstören der Zellen einzufrieren - nach Art der Kryokonservierung, die zum Beispiel schon für das Einfrieren von Eizellen eingesetzt wird.

Prinzip Mikrowelle

Nach dieser Methode könnten Organe zerstörungsfrei eingefroren werden. Doch dann gibt es eine weitere Hürde: Das Auftauen. "Das muss schnell und gleichzeitig geschehen, sonst besteht wiederum das Risiko, dass das Organ Schaden nimmt", sagt Notfallarzt Dr. Johannes Wimmer.

Auch hierfür haben die Forscher eine Möglichkeit entwickelt: Sie schwämmen im Versuch organisches Gewebe mit Nanopartikeln, die sie mithilfe elektromagnetischer Strahlung (Prinzip Mikrowelle) erwärmten.

Beide Vorgehensweisen - Einfrieren und Auftauen - befinden sich aber noch am Anfang der Entwicklung. Die Forscher gehen davon aus, dass es noch mindestens sieben bis zehn Jahre dauern wird, bis tatsächlich ein Spenderorgan eingefroren und wieder aufgetaut werden kann.

"Ich habe ja auch meinen kleinen Organspendeausweis dabei. Ich bin überzeugt, dass es richtig und wichtig ist, Organe zu spenden."
Johannes Wimmer, Notfallarzt

"Sollte das Einfrieren und Auftauen irgendwann funktionieren, wäre das eine massive Hilfe für alle Beteiligten", sagt Johannes Wimmer. Bisher haben es die Transplantationsteams nämlich sehr eilig, weshalb sie mit Blaulicht, Helikopter und Jet unterwegs sind. Zum Beispiel muss ein Herz innerhalb von vier Stunden transplantiert werden.