Sie ist kein Mythos, kein blöder Witz und auch keine Ausrede. Es gibt sie wirklich: Die Sperma-Allergie. Betroffen sind Frauen und Männer. Die Fälle sind selten, aber nicht ganz ungefährlich.

Da wo das Sperma hinkommt, führt es zu einer allergischen Reaktion. So einfach erklärt das Dr. Johannes Wimmer, Notfallmediziner aus Hamburg. Natürlich kann das dann überall sein: vaginal, anal, im Gesicht oder im Mund. An den getroffenen Stellen kommt es zu einem sehr unangenehmen Jucken und Brennen, erklärt er. Am Schlimmsten ist es, wenn die Allergie auf den ganzen Körper übergeht: Dann kann ein anaphylaktischer Schock folgen.

"Überall da wo der Liebessaft war, ist jetzt dicker Hautausschlag? Dann brauche ich nicht drüber nachdenken, ob das Kopfläuse sind. Dann wird es wohl damit zu tun haben."
Dr. Johannes Wimmer, Notfallmediziner aus Hamburg

Die Spermien selbst sind dabei gar nicht für die Reaktion verantwortlich, das Problem ist das sogenannte Prostataspezifische Antigen, ein Teil der Prostataflüssigkeit, in der die Spermien schwimmen. Wenn zum Beispiel eine Frau gegen dieses PSA allergisch ist, dann ist sie das eigentlich bei jedem Mann. Partnerwechsel hilft also nicht. Da sich aber das PSA von Mann zu Mann doch ein kleines bisschen unterscheiden kann, könnten Männer doch auch allergisch auf PSA anderer Männer reagieren. Beides ist jedoch sehr selten.

Schwanger trotz Sperma-Allergie

Wenn eine Frau auf PSA allergisch reagiert, heißt das natürlich nicht, dass sie unfruchtbar ist. Auf dem Weg zur Schwangerschaft könnte sie aber immer wieder mit der Allergie zu kämpfen haben. Dann könnte eine In-vitro-Fertilisation, bei der die Spermien aus der Flüssigkeit herausgelöst und eingepflanzt werden, eine Lösung sein, erklärt Dr. Johannes Wimmer.

"Der holländische Entdecker der Allergie nannte das Phänomen 'Nach-Sex-Übelkeit'. Also irgendwas stimmte da wohl mit den Leuten nach dem Sex nicht mehr."
Dr. Johannes Wimmer, Notfallmediziner aus Hamburg

Grundsätzlich ist gegen die Sperma-Allergie aber auch eine Desensibilisierung möglich: dabei werden dann kleine Dosen Sperma unter die Haut gespritzt. Dann vielleicht doch lieber Medikamente, die die Immunantwort unterdrücken.