Wer an die Sperrzonen von Fukushima oder Tschernobyl denkt, hat sicherlich viele Bilder im Kopf. An herumspringende Affen oder Wildschweine denken da wohl die wenigsten. Doch genau das haben Forscher jetzt in der Sperrzone von Fukushima entdeckt.

In der Sperrzone von Fukushima lebt seit der Katastrophe vor knapp neun Jahren kein Mensch mehr. Genau das haben die Tiere bald gemerkt und sich dort einen Rückzugsort aufgebaut. Ein Forscherteam hat in einer Studie mit Hilfe von Kamerafallen das Wildtierleben in den drei Zonen rund um die Ruinen des ehemaligen Atomkraftwerkes genauer untersucht - und einiges an Leben entdeckt.

Zuhause für über 20 Tierarten

Unter den entdeckten Tierarten befinden sich beispielsweise Makaken, japanische Hasen, Marderhunde, Wildschweine und sogar zwei Schwarzbären. Die Forscher haben dafür an 100 Stellen Kamerafallen in der noch von Menschen bewohnten Zone, der mittleren Zone und der Sperrzone aufgestellt. Die Anzahl der geschossenen Fotos zeigt: Die Sperrzone ist am dichtesten besiedelt.

Die meisten Tiere leben in der Sperrzone

Allein von Wildschweinen sind in der Sperrzone 26.000 Aufnahmen gemacht worden. Aus der bewohnten Zone gibt es dagegen nur 7000 Aufnahmen. Auch die japanischen Marder und die Makaken sind in der Sperrzone deutlich häufiger abgelichtet worden als in den anderen Zonen. Die Tiere scheinen sich in der menschenleeren Zone wohlzufühlen, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sabrina Loi.

"Es sieht so aus, als ob ein paar Tierarten diese Sperr- als Rückzugszone und Refugium sehen."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Dieses Phänomen ist nicht ganz neu. Auch in der Sperrzone von Tschernobyl wird ein vermehrtes Tieraufkommen beobachtet.

Strahlenbelastung sehr wahrscheinlich

Über den Gesundheitszustand der Tiere können die Forscher bisher nur sehr wenig sagen. Anhand von Kamerafotos lasse sich darüber keine Aussage treffen. Oberflächlich betrachtet würden sich die meisten Tiere normal verhalten.

"Wenn die Strahlenbelastung sich auf die Säugetiere in Fukushima auswirkt, dann zeigen die Auswirkungen sich im Moment höchstens auf individueller oder molekularer Ebene."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten

Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass die Strahlenbelastung für die Tiere auf längere Sicht gesehen schädlich sein kann. Andere Studien haben beispielsweise gezeigt, dass sich die DNA von Regenwürmern und Mäusen durch radioaktiven Niederschlag verändern kann.