Spießer haben sich im Kern seit Jahrhunderten nicht geändert. Sie sind immer noch pedantisch, konservativ, eitel. Selbst der hippe Großstadtbewohner zeigt Züge von Spießigkeit.

Der Begriff Spießer ist schon ziemlich alt. Im 10. Jahrhundert wurde durch die Spießbürger sozusagen erfunden. Sie verteidigten - nur mit Spießen bewaffnet - ihre Stadt und sorgten für Ordnung. Der Begriff war damals positiv besetzt, sagt Soziologin Laura Kajetzke von der Uni Marburg, denn die Spießbürger standen für das wehrhafte Fußvolk.

Spätestens im 16. Jahrhundert aber, als es bessere Waffen als Spieße und stehende Heere gab, wurden die Spießbürger überflüssig. Das merkten alle, außer sie selbst. Und nun wurde der Begriff Spießer langsam aber sicher negativ besetzt.

68er-Generation gegen Spießigkeit

Richtig spießig wurde es in den 1960er-Jahren. Zumindest hat die 68er-Generation das so empfunden. Sie revoltierte gegen die Eltern, die ihrer Meinung nach eine Fassade aufrecht erhalten wollten und sich ständig die Frage stellten: Was sollen die Nachbarn denken? Echte Spießer.

"Der Ruf des Spießers hat sich erholt. Er ist heute viel weniger autoritär. Wir sind inzwischen alle Teilzeit-Spießer."
Laura Kajetzke, Soziologin Uni Marburg

Coffee-to-go-Spießer, Bioladen-Spießer, Vegetarier-Spießer - das sind Spießer-Begriffe der Neuzeit, die laut Laura Kajetzke nicht mehr in der Intensität wie früher die Spießer-Kriterien erfüllen. Gewisse Ähnlichkeiten zum klassischen Spießer sind aber zu erkennen: Sie sind auf Außenwirkung bedacht, wollen sich in gewisser Weise inszenieren und ihr Verhalten als Normalität definieren.

Manche Menschen machen das heute noch den ganzen Tag lang. Die meisten aber nur noch manchmal, zum Beispiel am Grill.