Der Spiegel schafft die 25 Jahre alte Marke "Spiegel Online" ab. Das Medienhaus reagiert damit auf eine Entwicklung: Dass die Trennung zwischen Print, PC, Smartphone, Tablet, Text, Audio und Video verschwindet.

Vor 25 Jahren ging das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" mit "Spiegel Online" als weltweit eines der ersten Nachrichtenmagazine online. Zu der Zeit war das Internet noch kein Alltag, und zu den bekanntesten Seiten und Anbietern gehörten Yahoo und AOL, von denen heute fast niemand mehr etwas weiß.

Spiegel Online entwickelte sich zu den wichtigsten deutschsprachigen Nachrichtenseiten im Netz. Heute hat die Seite mit Bild.de und Focus.de die größte Reichweite und gehört zu den Quellen, die auf Wikipedia am meisten zitiert werden.

Nur noch eine Redaktion: Spiegel-Journalisten schreiben für Print und Online

Nun ist es vorbei mit Spiegel Online. Allerdings enthält diese Nachricht wenig Dramatik, denn Spiegel.de wird es weiterhin geben – nur nicht mehr unter dem Namen "Spiegel Online". Die Spiegel-Verantwortlichen haben entschieden, dass alle Produkte, egal ob digital oder gedruckt, unter der altbekannten Marke "Der Spiegel" auftreten.

Auch gibt es keine getrennten Redaktionen mehr wie bisher: Spiegel-Journalisten schreiben Artikel, dann wird entschieden, wie sie wo veröffentlicht werden. Das kann online sein oder im gedruckten Magazin oder beides. Der Spiegel reagiert damit auf eine Entwicklung, die schon länger zu beobachten ist: Die Grenzen zwischen gedruckten Produkten und verschiedenen Anzeigemedien verschwimmen. Wer ein Print-Abo abschließt, erhält Zugriff auf die digitalen Produkte und umgekehrt. Auch aus journalistischer Sicht ist die Trennung zwischen off- und online wenig sinnvoll und ökonomisch.

Alte App funktioniert nicht mehr

Mit der Neuausrichtung des Spiegel wurde auch das Angebot komplett erneuert, das unter Spiegel.de zu erreichen ist, genauso wie die dazugehörigen Smartphone- und Tablet-Apps. Nutzer müssen sich eine neue App installieren, die alte ist nicht mehr nutzbar. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll findet die neue App gelungen.

"Das ist kein repräsentativer Blick in die Timeline, aber auf Twitter spricht viel für das Prädikat 'gelungen': Gelungener Relaunch, aufgeräumte Seite, gutes Layout."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Was beim neuen digitalen Spiegel-Angebot auffällt, ist der Drang zur Monetarisierung: Seit längerem sind manche Artikel nur für Nutzer mit Abonnement zugänglich. Das neue Angebot soll das weiter verstärken, denn das Geschäft mit Online-Werbung wird immer schwieriger. Andere Online-Angebote wie Zeit Online oder das der Süddeutschen Zeitung verfahren hier ähnlich.

Abonnenten können nicht nur alle Artikel des Spiegel digital lesen, sie erhalten im persönlichen Bereich auch Leseempfehlungen. Der Entwicklungschef des Spiegel Matthias Streitz spricht von "einem Einstieg in die Personalisierung". Es ist zu vermuten, dass Online-Medien in Zukunft verstärken, was Facebook und Instagram schon lange machen: Artikel auf Basis des persönlichen Interesses vorschlagen oder besonders prominent platzieren.