Es muss nicht immer Monopoly sein! Die Auswahl an guten Alternativen ist nämlich riesig, sagt Mirko Schäfer. Der Mann, der sein Physikstudium abgebrochen hat, kennt die Regeln von weit über 1000 Spielen und arbeitet nun als Profi-Brettspielerklärer.

Kaum jemand weiß besser, welches Spiel sich für welche Gruppe am besten eignet, als Mirko Schäfer. Der 34-jährige Kölner lebt inzwischen in Hamburg und ist im Brettspiel-Café "Würfel und Zucker" angestellt. Dort arbeitet er quasi als Spiele-Sommelier.
"Was ich mache, ist sehr ungewöhnlich. Ich habe in Vollzeit mit Brettspielen zu tun. Aber ich spiele sie nicht selber, sondern ich sorge dafür, dass andere sie spielen."
Mirko Schäfer, Brettspielerklärer

Die Gäste beschreiben ihm, was sie gerne machen und er empfiehlt ihnen dann die geeigneten Spiele. Und damit sich die Spielenden nicht auch noch durch die Regeln kämpfen müssen, erklärt Mirko ihnen diese gleich mit. Von den 1900 Spielen, die es im "Würfel und Zucker" gibt, kann er 1200 bis 1300 gut erklären, sagt er. Die anderen werden bestimmt noch folgen.

Schon als Kind hat Mirko gern Brettspiele gespielt. Schon bald waren ihm die "üblichen Verdächtigen" aber nicht mehr spannend genug.

1300 Spiele erklären? Kein Problem!

Menschen, die nicht so tief in der Branche stecken, denken bei Brettspielen als Erstes an "Mensch ärgere dich nicht" oder "Risiko", sagt Mirko. Also an Spiel, die es seit 50 Jahren schon gibt. Auf dem Markt habe sich inzwischen aber natürlich sehr viel getan.

Je nach persönlichen Interessen lässt sich das passende Brettspiel finden: Ob Science-Fiction-Fan, Sudoku-Profi oder Rätselliebhaber – Mirko Schäfer hat für alle die passenden Spiele zur Auswahl.
"Tatsächlich fass ich die Klassiker nicht mehr wirklich an. Weil es einfach total veraltete Mechanismen sind."
Mirko Schäfer, Brettspielerklärer
Von den Klassikern hat Mirko aber keine mehr im Schrank, sagt er. Er hält sie für ziemlich veraltet. "Mensch ärgere dich nicht" etwa könne man sehr kurz so zusammenfassen: Wer schlecht würfelt (und keine sechs erzielt), hat überhaupt nichts zu tun. Es ist ein pures Glücksspiel.

Interaktion mit den Mitspielenden

Mirko bevorzugt Spiele, die möglichst viel Interaktion mit den Mitspielenden ermöglichen. Die es erlauben, verschiedenste Optionen zu nutzen, um ans Ziel zu kommen. Und die auch nicht nur eines, sondern im besten Fall unterschiedliche Ziele bieten.

"Siedler von Catan" mag Mirko zum Beispiel gerne – und da das Kartenspiel sogar noch lieber als den großen Bruder, das Brettspiel. Im Vergleich dazu sei das Kartenspiel nämlich sehr viel weniger eine Sache des Glücks, weil man nur noch einen Würfel habe und jeder davon profitiere. Das Kartenspiel sei lustigerweise sogar sehr viel komplexer als das Brettspiel, so Mirko.

Die Mechanismen vieler Spiele ähneln sich übrigens alle ein bisschen, sagt der Spieleprofi. Das sei wie in der Schule, wo die Fächer und ihre Methoden aufeinander aufbauen.