Soziale Insekten kennt man: Ameisen im Staat leben in einer Art Klassengesellschaft mit genauer Aufgabenteilung und auch bei Bienen ist es ähnlich. Über das Zusammenleben von Spinnen ist bisher weniger bekannt. Forscher haben sich eine Art genauer angeschaut und festgestellt: Spinnen leben nicht nur sozial, sie haben auch Charakter - und der bestimmt die Arbeitsteilung.

Spinnen der Art Anelosimus Studiosus kommen vor allem in Nord- und Südamerika vor. Das Besondere: Oft leben sie in Kolonien zusammen, teilen sich ein großes Spinnennetz und können so auch größere Beutetiere einfangen. Nicht selten ist ein ganzer Ast in einem Baum von solch einem Netz eingewickelt. Doch die Spinnen teilen sich nicht nur das Netz, offenbar gibt es bei ihnen auch eine Form von Arbeitsteilung.

Eine Frage der Persönlichkeit

Während sich bei anderen sozialen Insekten die verschiedenen Kasten auf den ersten Blick auch im Körperbau unterscheiden – eine Ameisenkönigin sieht ganz anders aus als eine Arbeiterin – unterscheiden sich die Spinnen rein äußerlich nicht wirklich. Unterschiede konnten die Forscher allerdings in ihrer Persönlichkeit feststellen - und diese bestimmt die Arbeitsteilung der Spinnen.

Zwei Charaktergruppen: aggressiv und gutmütig

Dass Spinnen unterschiedlichen Persönlichkeiten besitzen, ist der Forschung schon länger bekannt. Um den Charakter zu testen, setzt man die Spinnen in einen Plastikkasten und beobachtet, wo im Kasten sie ihr Nest bauen. Wenn sie es in der gleichen Ecke bauen, sind sie offenbar eher freundlich gesinnt. Spinnen sie ihr Netz aber in entgegengesetzten Ecken, gelten sie als eher aggressiv.

Evolutionär sinnvoll

In weiteren Experimenten bildeten die Forscher Gruppen aus beispielsweise zwei aggressiven und zwei nicht aggressiven Spinnen, um zu beobachten, welche Tiere welche Aufgaben übernehmen. Die aggressiven Spinnen kümmerten sich eher um Beutefang, um den Netzbau und um die Verteidigung des Netzes, die freundlicheren Spinnen eher um den Nachwuchs.

Für ihre jeweiligen Aufgaben scheinen die Spinnen besonders gut geeignet. Die aggressiven Charaktere sind besser darin, Netze zu bauen, wenn sie sich hingegen um den Nachwuchs kümmern sollen, können die kleinen Spinnen bei Auseinandersetzungen auch schnell mal getötet werden. Evolutionär betrachtet ergibt der Charakterunterschied bei den Insekten daher Sinn. Wenn verschiedene Spinnen-Charaktere zusammenleben, dann profitiert das ganze Nest davon: Die Kolonie ist stärker als andere Kolonien.

Theorien müssen angepasst werden

In ihrem Bericht, den die Forscher im Fachblatt PNAS veröffentlichten, weisen sie darauf hin, dass die unterschiedlichen Persönlichkeiten von Tieren in der Forschung insgesamt bislang noch nicht ausreichend berücksichtigt werden. Dabei gebe es fast immer, wenn Tiere einer Art sozial zusammenleben, eine Form von Arbeitsteilung und damit einhergehend immer auch unterschiedliche Persönlichkeiten. Darum müssen Theorien angepasst werden, da Gruppen in einer Gemeinschaft von Tieren eben auch durch unterschiedliche Persönlichkeiten entstehen.