Die Entwickler von Spionage-Apps werben damit, wie einfach es ist, fremde Smartphones auszuspionieren. Und die Apps werden rege genutzt: etwa von eifersüchtigen Menschen, die ihre Partnerin oder den Ex überwachen wollen.

Inzwischen gibt es mehrere Hundert Spyware-Apps für die verschiedenen Betriebssysteme. Mit ihnen können Telefonate abgehört, gespeicherte Daten wie Fotos oder Videos von einem Handy aufs andere übertragen oder fremde WhatsApp-Chats mitgelesen werden. Billig ist das allerdings nicht: Die Apps kosten zwischen 60 und 200 Dollar, also zwischen rund 50 und 180 Euro.

Die meisten Spyware-User sind Männer

Das Magazin Vice hat sich kürzlich eine dieser Apps herausgepickt und deren Kundendaten analysiert, um herauszufinden, wer solche Angebote nutzt. Allein in Deutschland hatteen sich mindestens 1000 Personen diese App für immerhin 150 Euro heruntergeladen. Laut der Recherche waren unter den Nutzern alle Bildungsschichten vertreten. Auffällig: 80 Prozent der Sypware-User waren Männer. Das ist nur ein Beispiel unter vielen, das Problem ist aber verbreitet.

Auch der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe hat die Stalking-Apps auf dem Schirm: "Das häufigste Problem ist, dass Frauen, die von häuslicher Gewalt oder Stalking betroffen sind, jetzt auch davon ausgehen müssen, dass sich auf ihrem Smartphone Spyware befindet." Wenn eine betroffene Frau also ihr Handy sucht, um Hilfe zu suchen, schwebt sie in Gefahr, dass ihr Partner mitliest.

Spionage-Apps sind illegal

"Zum Teil bieten die Verkäufer dieser Apps an, die Spyware direkt aufs Gerät aufzuspielen", erklärt Martina Schulte. Ein Trick, der gerne benutzt werde: Ein eifersüchtiger Mann schenkt seiner Partnerin ein neues Telefon, auf der die Spyware schon installiert ist. Das Ausspionieren ohne Erlaubnis ist eigentlich illegal. Aber die Händler umgehen das, indem sie sich von ihren Kunden beim Installationsprozess bestätigen lassen, dass die App nur mit Wissen der überwachten Person genutzt wird. Damit sind die Händler raus aus der Verantwortung.

"Für den Laien ist kaum festzustellen, dass er eine Spionage-Software auf dem Handy hat."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Experten können sehr leicht herausfinden, ob ein Handy infiziert ist, für den Laien hingegen ist das eine Herausforderung. Und Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind, dürften es noch schwieriger haben. Deswegen machen sich Aktivisten bei den Herstellern von Antiviren-Software dafür stark, dass sie außer Viren auch Spyware entdecken können. Die Software des Antviren-Herstellers Kaspersky schlägt mittlerweile auch bei gängiger Spyware Alarm.

Andere Anti-Viren-Hersteller wollen nachziehen. Und Betroffene bekommen auch Hilfe beim Projekt "Aktiv gegen digitale Gewalt". Der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe hat auch zusammen mit den Portal Mobilsicher.de eine Infobroschüre über Stalking Apps veröffentlicht.