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Isa hat früher zwanghaft Sport gemacht. Mittlerweile hat sie eine gesunde Beziehung zu ihrem Training aufgebaut: Es macht ihr vor allem Spaß. Was zu einer Sportsucht führen kann und wie wir wieder da rauskommen, erklären zwei Experten.

Hinweis: In diesem Beitrag werden eine Essstörung und Sportsucht thematisiert. Wenn dich diese Themen belasten, findest du bei Bedarf hier anonyme Beratungs- und Seelsorge-Angebote.

Im Restaurant mit ihrer Familie oder Freund*innen essen zu gehen, hat Isa früher sehr unruhig gemacht. Damals hätte sie sich davor noch eine Sporteinheit eingebaut.

"Ich glaube, dass ich an dem Tag schon im Gym war, um ein Krafttraining zu machen und dass ich normalerweise nach der Arbeit nicht noch mal gegangen wäre. Aber für den Anlass hab ich es dann gemacht", erinnert sie sich. Ihr Ziel: mehr Kalorien verbrennen, als sie aufnimmt.

"Mein Umfeld hat sich Sorgen gemacht, aber fremde Personen haben das eher als das Ideal wahrgenommen."
Isa, hat früher auf Social Media Fotos ihres Körpers geteilt und dafür von anderen Komplimente bekommen

Isas Sportverhalten ist zu dieser Zeit zwanghaft: Sie trainiert sechs Mal in der Woche, an fünf Tagen Kraft, einen Tag Ausdauer. Seit sie 17 Jahre ist, hat sie eine Essstörung. In deren Verlauf hat sie die Sportsucht entwickelt. In dieser Zeit hat sie extrem wenig gegessen und extrem viel Sport gemacht. Als Folge hat sie stark abgenommen, sich schwach gefühlt und ihre Periode ist ausgeblieben.

Die Signale ihres Körpers hat Isa anfangs als nicht schlimm wahrgenommen, sagt sie. Ein Gespräch mit einer Freundin hat ihr dann aber den Impuls gegeben, sich Hilfe zu holen.

Sport als Zwang

Die Kombination aus Essstörung und Sportsucht ist kein Einzelfall. Robert Gugutzer forscht an der Uni Frankfurt zu Sportsucht. Er kennt die Anzeichen, die darauf hindeuten, dass das eigene Sportverhalten in eine ungesunde Richtung geht. Diese sind:

  • Sport wird zum Zwang: Verpasste Einheiten führen zu Stress, Gereiztheit und anderen Symptomen, die einem Entzug ähneln.
  • Der Alltag dreht sich vor allem um den Sport.
  • Immer weniger oder keine Zeit für Freund*innen und Familie, weil sonst der Sport ausfallen würde.
  • Das selbst gesetzte sportliche Pensum wird trotz Krankheit oder Verletzung durchgezogen.
"Es ist eine Art Kontrollverlust, den man erlebt. Der Sport beherrscht mich und nicht ich den Sport."
Robert Gugutzer, Sportsuchtforscher, Universität Frankfurt

Sportsucht hat etwas mit einem Veränderungswunsch zu tun und der Frage "Wer bin ich?". Typisch dafür sind Krisen wie die Pubertät, eine Trennung oder ein Todesfall, erklärt der Sportsuchtforscher. Das Training sorge wiederum für Halt und Struktur. "Das hat einen Empowerment-Aspekt. Deshalb wird auf Sport zurückgegriffen, wenn das Leben aus den Fugen gerät", so Robert Gugutzer.

Sportsucht: Hilfe suchen

Isa hat mittlerweile ein anderes Verhältnis zum Sport. Heute ist ihr eines sehr wichtig: Sie bewegt sich, weil sie Spaß daran hat.

Durch ihre Willenskraft hat es Isa aus dem Zwang rausgeschafft. Sie wollte sich helfen lassen. Dafür hat sie sich Menschen geöffnet, um einen Therapieplatz gekümmert und ist in eine Klinik gegangen. "Mir hat sehr viel geholfen, dass ich mit meinem Umfeld darüber rede und ihnen auch erzähle, was mir hilft, was sie tun können, um mich zu unterstützen", sagt sie.

Die eigenen Gedanken mit anderen teilen und nicht für sich behalten, dazu rät auch Nadja Walter. Sie ist Sportwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Sportpsychologie an der Uni Leipzig. Freund*innen zum Beispiel können schildern, wie sie ein Verhalten wahrnehmen. Im besten Fall sind sie kein Teil der Trainingsgruppe oder treiben selbst nicht so intensiv Sport.

Es geht stattdessen um jemanden, der quasi "von außen" auf die Situation blicken kann.

"Was immer wichtig ist, dass man hinterfragt, warum man Sport treibt."
Nadja Walter, Sportwissenschaftlerin, Universität Leipzig

Ein gesunder Umgang zeigt sich besonders darin, dass der Sport Freude bringt und kein Zwang ist. Es geht also um die Frage: Warum mache ich Sport?

Wenn wir ein ungesundes Verhältnis bei uns beobachten, sollten wir uns Hilfe holen. "Eine Veränderung hin zu einer Sportsucht ist kein Übernachtprozess, sondern eine Entwicklung. Genauso geschieht auch die Rückentwicklung zu einem gesunden Sportverhalten nicht über Nacht, sondern das dauert ein bisschen", so Sportwissenschaftlerin Nadja Walter.

Kalorienverbrauch und Essensangaben auf Insta können triggern

Isa geht es heute sehr gut, sagt sie. Wenn sie auf die vergangenen Jahre zurückblickt, hat sie eine wichtige Erkenntnis aus der Zeit mitgenommen, und zwar: sensibler mit dem Thema Sport auf Instagram, Tiktok und Co. umgehen.

"Ich sehe auf Social Media, dass Leute unbedarft und sehr oft ihre Zeiten vom Joggen teilen, ihre Angaben von Kalorien, was sie heute gegessen haben, was sie noch essen dürfen. Ich weiß, wie sehr das triggern kann. Ich merke, dass ich aus diesen Erzählungen immer Anerkennung haben wollte. Wir geben den Leuten sehr schnell Anerkennung für sportliche Erfolge. Das könnte aber auch krankhaft sein", sagt Isa.

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Shownotes
Sportsucht
Woran merke ich, dass es zu viel ist?
vom 29. Mai 2026
Gesprächspartnerin: 
Isa, hatte eine Sportsucht und Essstörung
Gesprächspartnerin: 
Nadja Walter, Sportwissenschaftlerin, Universität Leipzig
Gesprächspartner: 
Robert Gugutzer, Sportsuchtforscher, Universität Frankfurt
Autorin und Host: 
Shalin Rogall
Redaktion: 
Betti Brecke, Sarah Brendel, Friederike Seeger 
Produktion: 
Oskar Kühl
Quellen:
  • Bette, K.-H. & Gugutzer, R. (2013). Sportsucht: Soziologische Annäherungen. In H.-W. Hoefert & C. Klotter (Hrsg.), Gesundheitszwänge (S. 288–305). Pabst Science Publishers.