Zu Hause sitzen und Sounddateien transkribieren. Bei freier Zeiteinteilung. Alles, was dafür nötig ist: Deutschkenntnisse auf Muttersprachniveau und ein PC. Klingt nach einem flexiblen Job. Klingt aber auch nach Risiken für den Datenschutz.

Die Zeitarbeitsfirma Randstad hat im Auftrag von Amazon nach Menschen gesucht, die Sounddateien des Sprachassistenten Alexa transkribieren und auswerten. Nicht hier, sondern in Polen. Bis Freitag (02.08.2019) war die Stellenanzeige online. Das Ganze lief unter dem Claim "Telearbeit im ganzen Land", berichtet die "Welt am Sonntag". Dass die Auswertungen der Alexa-Mitschnitte von Menschen gemacht wird, ist bekannt. Auch die Mitschnitte von Apples Assistenzsystem Siri und Google werden von Menschen ausgewertet. Dass das in Heimarbeit passiert, ist neu.

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Mit der Auswertung wollen die Anbieter laut eigener Angaben die Software verbessern. Die Menschen sollen demnach bei einer kleinen Stichprobe der Aufnahmen nachhören, wie gut das System die Sprache erkannt oder auch eben nicht erkannt hat. Außerdem sollen die menschlichen Kontrolleure die Fälle identifizieren, bei denen das System den Aufweckbefehl falsch erkannt und ungewollt Aufnahmen gemacht hat. Gerade dann können aber intime Situationen abgehört werden.

Sorgen um den Datenschutz

Dass Amazon die Aufträge in Heimarbeit vergeben ließ, fügt den Bedenken über den Umgang mit den durch Sprachassistenten gemachten Aufnahmen eine weitere pikante Note hinzu. Amazon selbst betont gegenüber der "Welt", dass auf Datenschutz geachtet werde. So würden keine User-IDs oder Klarnamen mitgeschickt, die sind theoretisch also anonym. Trotzdem könnte sich die Identität in bestimmten Fällen doch aus dem Gehörten erschließen. Deshalb würden die Menschen entsprechend geschult und zu vertraulichem Umgang mit den Audiodateien verpflichtet.

Während in einer Büroumgebung das Umfeld noch einigermaßen bestimmt werden kann, ist das zu Hause nicht der Fall. So könnten zum Beispiel Partnerinnen und Partner, Freunde oder Kinder mithören. Das wäre dann alles andere als datenschutzkonform. Verboten ist zwar auch, die Arbeit an einem öffentlichen Ort zu erledigen, zum Beispiel in einem Café mit WLAN-Zugang, aber überprüfen lässt sich das eben nur schwer

Amazon reagiert auf Datenschutz-Kritik

Die Kritik an der Vorgehensweise hat offenbar Konsequenzen. Bereits am Freitagabend verschwand die Online-Stellenanzeige von Randstad. Amazon selbst hat angekündigt, dass Alexa-User künftig dem Abhören durch Menschen widersprechen können. Apple hatte bereits in der Woche zuvor reagiert und die Auswertung durch Menschen ausgesetzt. Künftig soll das nur noch mit expliziter Erlaubnis gehen. Google hatte das Abhören schon Anfang Juli gestoppt.