Amazons Alexa, Siri oder der persönliche Assistent von Google gehorchen uns fast aufs Wort. Forscher am MIT Media Lab haben jetzt eine Sprachsteuerung entwickelt, die so etwas Ähnliches kann wie Gedanken lesen. Sie funktioniert nämlich, ohne zu sprechen.

Die Forscher des MIT Media Lab an der Universität Cambridge haben ihr neues Gadget Alterego genannt. Es sieht aus, wie ein etwas überdimensioniertes Mikrofonheadset – oder auch wie eine Zahnkorrekturschiene.

Statt eines Mikrofons klebt am Kinn ein längliches weißes Stück Plastik. Und damit greift Alterego unsere Subvokalisierung ab. Das bedeutet, es liest unser inneres Mitsprechen aus.

Wenn wir zum Beispiel etwas durchlesen, sprechen wir es im Kopf vor uns hin. Dabei sendet der Körper Signale an den Sprachapparat. Das sind kleine, fast nicht wahrnehmbare neurologische und muskuläre Bewegungen. Diese Mikro-Bewegungen liest Alterego über 16 Sensoren aus. Die sind in dem Headset verbaut, und zwar von unterhalb des Mundes über den Unterkiefer bis in den Nacken. 

"Du kannst also mit Alterego Sprachbefehle an dein Smartphone senden, ohne dass deine Umgebung etwas davon mitbekommt."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

In einem Beispielvideo läuft ein Tester mit dem weißen Headset durch den Supermarkt und kauft ein. Immer, wenn er etwas sieht, das er kaufen will, denkt er sich den Preis des Produktes oder spricht ihn in Gedanken. Im Video sehen wir dann, wie der Sprachsteuerungs-Assistent dem Tester korrekt die Summe aller Preise meldet. Und dass, obwohl der Tester nicht seine Lippen bewegt hat.

Alterego kann keine inneren Geheimnisse lesen

Die Wörter, die Alterego versteht, müssen bewusst subvokalisiert werden. Das hat das Gerät allerdings schon ziemlich gut drauf. In unzähligen Trainingseinheiten hat es gelernt, welche Mikrobewegungen zu welchem Wort gehören. Die MIT-Forscher sagen, dass Alterego bereits eine Erkennungsrate von 90 Prozent hat. 

"Noch ist Alterego ein reines Forschungsprojekt. Das Problem ist derzeit, die Technologie in ein Produkt umzuwandeln, das nicht aussieht, wie von der letzten Zahnschienenmesse."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Das Blog Digital Trends schreibt: Es sei durchaus möglich, dass so ein Sprachsteuerungssystem ohne Sprachsteuerung schon in der nächsten Generation der Gadgets verbaut ist, die unsere heutigen antiquierten Smartphones ablösen werden. Die Technologie sei sicher auch hilfreich für Menschen, die nicht sprechen können, weil sie stumm sind.