Ob im Home-Office am Telefon, als Lehrerin vor der Klasse oder bei einem Vortrag: im Job ist unsere Stimme ständig im Einsatz. Sie übermittelt nicht nur Informationen, sondern auch Vertrauen oder Selbstbewusstsein. Darum wird sie gerade im Job immer wichtiger.

Wir nutzen sie ständig und überall: unsere Stimme. Für einige ist sie ein wichtiges Instrument im Job. Das Gute ist, dass wir sie trainieren können.

Gesundheit und Wirkung der Stimme lassen sich trainieren

Im Stimmtraining gibt es zwei Bereiche, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Johannes Döbbelt: Da geht es zum einen um die Gesundheit der Stimme. Also zum Beispiel darum, lange Vorträge zu halten oder eine Klasse zu unterrichten, ohne heiser zu werden oder einen Kloß im Hals zu haben.

Zum anderen gibt es den Bereich der Stimmwirkung. Hier geht es darum, wie die eigene Stimme auf andere wirkt, erklärt Johannes. Die Stimme lässt sich trainieren – und so können wir auch beeinflussen, ob wir selbstbewusst und souverän klingen.

"Es gibt Menschen mit einem großen Leidensdruck, weil sie beispielsweise nuscheln und dadurch das Gefühl haben, sie können sich im Meeting weniger Gehör verschaffen."
Frederik Beyer, Stimm-und Sprechcoach

Neben Menschen, die mit Sprechtrainings ihre Stimme einfach verbessern wollen, gibt es auch diejenigen, die an ihrer Stimme leiden – zu hoch, zu leise, zu piepsig. Aber auch Menschen, die in ihrem Job sehr viel sprechen, kommen zum Beispiel zu Stimm- und Sprechtrainer Frederik Beyer.

30 Prozent der Lehrer leiden an einer Stimm-Erkrankung

Gerade Lehrpersonen nutzen ihre Stimme sehr viel. Eine Studie der Uni Leipzig hat gezeigt: 30 Prozent der untersuchten Lehrer litten an einer Stimm-Erkrankung und mehr als die Hälfte hatten Probleme mit ihrer Stimme. Die Belastung ist nicht zu unterschätzen, sagt unser Reporter.

Tiefe Stimmen vermitteln Vertrauen

Männer und Frauen kommen mit sehr ähnlichen Problemen zu Frederik Beyer. Einen kleinen biologischen Vorteil haben die Männer allerdings schon: Insgesamt schenken wir tiefen Stimmen mehr Vertrauen als hohen. Frauen laufen öfter Gefahr, in sehr hohe, manchmal auch unangenehm klingende Tonlagen zu kommen.

"Frauenstimmen werden tiefer – das ist ein Ausdruck der Emanzipation. Es zeigt, dass sich auch die gesellschaftliche Rolle der Frauen verändert hat."
Michael Fuchs, Leiter der Phoniatrie und Audiologie an der Uniklinik Leipzig

Aber: Auch Frauenstimmen sind in den vergangenen 20 Jahren immer tiefer geworden. Das ist ein Zeichen der Emanzipation, sagt Michael Fuchs, Leiter der Phoniatrie und Audiologie an der Uniklinik Leipzig.

Optimal sprechen in der Indifferenzlage

Keine Sorge: Wer seine Stimme verbessern will, muss keine tiefere Stimme bekommen. Es reicht, die eigene sogenannte Indifferenzlage finden. Das ist die Stimmlage, in der sich unsere Stimme wohl fühlt und gut klingt, erklärt Johannes Döbbelt. Manche Menschen sprechen beispielsweise unter Stress höher als es ihrer optimalen Stimmlage entspricht. Davon kann man nicht nur heiser werden, oft klingt es auch nicht gut.

"Einfach mal beide Hände auf die Brust legen und genüsslich summen, dabei vielleicht noch die Augen schließen und zum Beispiel an Schokolade denken. Das hilft in dieser optimalen Sprechlage zu bleiben."
Frederik Beyer, Stimm- und Sprechtrainer

Unsere persönliche Indifferenzlage können wir durch Übungen finden – zum Beispiel: Einfach mal beide Hände auf die Brust legen und genüsslich summen, erklärt Stimm- und Sprechtrainer Frederik Beyer.

Stimmtraining ist Spurensuche

Neben technischen Übungen ist wichtig herauszufinden, warum jemand überhaupt leise, unsicher oder viel zu hoch spricht zum Beispiel. Dahinter liegt oft eine psychologische Komponente, sagt Johannes Döbbelt. Traumata oder negative Erfahrungen aus der Kindheit könnten Gründe für eine Veränderung der Stimme sein. Im Training geht es dann auch darum, diese Blockaden loszuwerden, erklärt Frederik Beyer.

"Wir alle haben Hindernisse, irgendwelche muskulären oder emotionalen Blockaden, die uns einengen – persönlich wie stimmlich."
Frederik Beyer, Stimm- und Sprechtrainer

Stimmtraining ist also beides: Arbeiten am Klang und der Gesundheit der Stimme, aber auch Abbauen von Blockaden. Dann, so Frederik Beyer, ist der Weg für die Stimme nämlich frei.