An diesem Wochenende geht die Bundesliga weiter. Viele haben sehnlich darauf gewartet, andere sehen den Re-Start kritisch. Für die Spieler gelten besondere Regeln: Sie müssen auf der Ersatzbank Mundschutz tragen, dürfen sich nicht umarmen und: nicht auf den Rasen spucken! Doch warum bitteschön tun Fußballer das überhaupt?

Weltmeisterschaft 1990, der Holländer Frank Rijkaard spuckt volles Rohr in Rudi Völlers Locken. Den Videobeweis gab es damals noch nicht – anschließend gab es die rote Karte für beide. Unvergessen. Bis heute spucken Fußballer auf den grünen Rasen (oder auch mal woanders hin).

Medizinisch nicht notwendig

Eine medizinische oder körperliche Notwendigkeit dafür, dass man bei körperlicher Betätigung oder Sport ausspucken muss, gibt es nicht, sagt Jan-Christoffer Lüers, leitender Oberarzt an der HNO-Klinik der Uniklinik Köln. Das zeige sich allein schon daran, dass Hallensportler in der Regel nicht auf den Boden spucken.

"Wir haben noch nie irgendwelche Basketballer gesehen, die auf den Hallenboden spucken. Obwohl die den Hallenboden ja ständig wischen."
Jan-Christoffer Lüers, HNO-Arzt

Es gebe zwar die Diskussion, dass bei Sportlern, die viel rennen und dadurch stärker durch den Mund einatmen, die Mundschleimhaut austrocknet und der Speichel dadurch ein bisschen zäher wird. Dadurch entstehe aber nicht zwangsläufig der Drang, den Speichel auch sofort ausspucken zu wollen, so der Arzt.

Schleimhäute trocknen aus

Denn: Auch wenn wir im Winter bei kalten Temperaturen vor die Tür gehen oder wenn wir nachts mit offenem Mund schlafen trocknen unsere Schleimhäute aus und unser Speichel wird zäher. Trotzdem spucken im Winter nicht alle Menschen auf die Straße. Und wer nachts einen trockenen Hals bekommt, trinkt vielleicht einen Schluck Wasser, aber er spuckt nicht unbedingt.

Vermehrt trinken oder den Speichel einfach runterschlucken, das hilft, empfiehlt der Arzt.

Revier markieren und abreagieren

Der Drang, den eigenen Speichel auf dem Platz zu verteilen, ist vor allem bei Profi-Fußballern ausgeprägt. Das habe sich "ein bisschen so eingebürgert", sagt Jan-Christoffer Lüers. Es sei von einem sportpsychologischen Hintergrund auszugehen: Mit dem Spucken wollen die Spieler ihr Revier abstecken und Kraft demonstrieren.

"Die Fußballer wollen ihr Revier markieren, ein bisschen Angst abbauen und dem Gegner zeigen: Ich bin zu allem bereit."
Jan-Christoffer Lüers, HNO-Arzt

Das sei auch gut daran zu erkennen, wann die Spieler spucken:

  • kurz vor dem Anstoß: da sind sie noch nicht viel gelaufen, aber die Nervosität ist hoch
  • kurz vor dem Einwechseln, also bevor ein neuer Spieler ins Spiel kommt
  • beim Elfmeterschießen

Im Gegensatz dazu spuckten Spieler beim Torjubel so gut wie nie – ein weiterer Hinweis dafür, dass das ganze eher einen psychologischen und keinen körperlichen Hintergrund hat.