Der Hamburger Stadtteil St. Pauli will Unesco-Weltkulturerbe werden. Aber warum eigentlich? 

"Unesco-Weltkulturerbe St. Pauli". So könnte es irgendwann heißen. Auf ihrer Internetseite schwärmen die Initiatoren der Idee in den höchsten Tönen vom Charme St. Paulis. 

"St. Pauli ist eine Haltung, ein Gefühl - und eben nicht nur ein weltweit einzigartiger Ort."

Zunächst war die Bewerbung bei der Unesco als Welterbe wohl nur eine Schnapsidee, bei anschließenden Diskussionen wurde diese Idee aber immer konkreter - und letztlich haben die Initiatoren sich dazu entschlossen, die Sache anzuschieben. Sie betonen: Was am Ende dabei raus kommt, ist zweitranging. Was sie wollen, ist, dass über die Vielfalt des Stadtteils St. Pauli geredet und diskutiert wird. 

Nicht alle finden St. Pauli würdig, Weltkulturerbe zu werden

Schauen wir uns an einem ganz normalen Abend auf den Partymeilen Reeperbahn oder Große Freiheit um, treffen wir auf viele Junggesellenabschiede. Für einige Barbesitzer sind sie umsatztechnisch ein Segen - andere sind schlicht genervt, so wie Julia Staron vom Kukunn-Club, die im Nachsatz betont, dass sie gegen Gewalt ist.

"Wenn du am Abend 35 Junggesellenabschiede hast, möchtest du sie eigentlich alle Klatschen."
Julia Staron vom Kukunn-Club auf St. Pauli

Julia Staron ist Mitbegründerin der Idee, St. Pauli zum immateriellen Weltkulturerbe zu machen. Für sie wäre es eine Wertschätzung des Viertels und seiner Entwicklung mit seiner sehr besonderen Haltung: "Das ist die Vorstellung von Freiheit. Das leben zu können, die Lebensentwürfe des anderen ertragen zu können", sagt sie.

Andere halten die Weltkulturerbe-Idee für einen PR-Gag von Menschen, die ihr Geld auf dem Kiez verdienen und eine Ära beschwören, die es nicht mehr gibt. Niels Boeing von der Initiative "St. Pauli Selbermachen" glaubt sogar, dass die intendierte Wertschätzung durch den Titel Welterbe St. Pauli sogar schaden könne. Weil eine zusätzliche Flut von Touristen den Charme des Kiezes ersticken würde. 

"Der Schuss könnte sogar tierisch nach hinten los gehen. Schauen wir uns nur mal die Altstadt Dubrovnik an, die gar nicht mehr atmen kann vor lauter Tourismus."

Es gibt also mehrere Haltungen zu der Frage, ob St. Pauli Unesco Weltkulturerbe werden soll. Auf der einen Seite stehen die Skeptiker, die befürchten, dass eine werbewirksame Aufhübschung des Stadtteils St. Pauli dauerhaft zerstören würde. Die anderen glauben an eine gewinnbringende Wirkung, die den Erhalt des althergebrachten und sich entwickelten Charmes begünstigt. Derzeit läuft über die Webseite eine Umfrage, deren Ergebnis die Initiatoren ersteinmal abwarten.

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