Loubna Al Azzawi musste vor drei Jahren aus Syrien fliehen. Jetzt lebt sie in Dresden und bietet Stadtführungen an. Sie zeigt ihre Lieblingsorte, erzählt dabei Geschichten aus ihrer Heimat und beantwortet Fragen.

Vor ein paar Jahren hat Loubna in Syrien noch Jura studiert. Dann musste sie mit ihrer Familie aus dem Land fliehen. Über die Türkei ging die Flucht nach Deutschland. Inzwischen lebt die Familie an verschiedenen Orten in ganz Europa verteilt. Ihre Eltern haben in London Asyl gefunden, einer ihrer Brüder lebt mit Loubna zusammen in Dresden.

Picknick am Fluss: Lieblingsort in der neuen und alten Heimat

Sie führt eine Gruppe von Leuten durch ihre neue Heimatstadt Dresden, zeigt ihnen ihre Lieblingsorte und erzählt zugleich von ihrem Leben vor ihrer Flucht. Das ist das Konzept des Vereins Querstadtein: Geflüchtete bieten Touristen oder auch Stadtbewohnern einen neuen und sehr persönlichen Blick auf das möglicherweise schon Altbekannte. Führungen von Geflüchteten bietet der Verein bisher nur in Berlin und Dresden an. 

"Ich bin tatsächlich auch davon ausgegangen, dass an syrischen Universitäten vor allem Männer studieren und dass es Frauen schwerer gemacht wird zu studieren."
Ein Teilnehmer der Stadtführung
Die Syrerin Loubna Al Azzawi führt Gäste durch ihre Stadt.
© Deutschlandfunk Nova | Bastian Brandau
Die Syrerin Loubna führt interessierten Dresdner und Touristen durch Dresden und gibt ihnen die Möglichkeit, eine neue Sicht auf das altbekannte zu bekommen.

Während Loubna ihre Gruppe durch die Stadt führt, beantwortet sie Fragen und hat so die Gelegenheit mit vielen Vorurteilen aufzuräumen. Den einen wundert es, dass Loubna als Syrerin kein Kopftuch tragen muss und mit Männern reden darf, den nächsten überrascht es, dass sie als Frau in Syrien studieren durfte. Erst geht es durch die Dresdner Neustadt - das Restaurant und Kneipenviertel der Stadt – dann über den Albertplatz zum Jorge-Gomondai-Platz. Der Mosambikaner war das erste Todesopfer eines fremdenfeindlichen Anschlags in Dresden nach der Wiedervereinigung. Ein Gedenkstein auf dem Platz erinnert an den 1991 getöteten Mann. 

"Die Dresdner Neustadt bedeutet für mich: Alte Gebäude und junge Menschen. Ich mag diese Kombination. Hier gibt es viele Konzerte, zu denen man gehen kann."
Loubna Al Azzawi

Die Führung endet an einem Orient-Bazar, den auch manche Dresdner, die bei der Führung mitmachen, nicht kannten. Loubna stellt den Gewürzaufstrich Zatar vor, den sie am liebsten zum Frühstück isst. Lässt die Teilnehmer daran riechen und raten, woraus er besteht: aus Thymian, Sumach, geröstetem Sesam und Salz.  

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Shownotes
Stadtführungen
Dresden mit den Augen einer Geflüchteten sehen
vom 20. Februar 2019
Moderatorin: 
Tina Kießling
Autor: 
Bastian Brandau, Deutschlandfunk Nova