Der Fahrradverkehr hat deutlich zugenommen, aber wer genau ist dafür verantwortlich? Wir alle oder nur ein Teil der Bevölkerung? Laut Studie wird vor allem in den Städten mehr Fahrrad gefahren. Beim Blick auf die Details zeigt sich: Überwiegend sind Bessergebildete für den Boom verantwortlich.

Vor allem Menschen in Städten mit höherem Bildungsabschluss sind es, die viel radeln. Für die Zunahme des Radverkehrs in Deutschland sind sie ganz wesentlich verantwortlich. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende der Universität Köln.

Für ihre Untersuchung haben der Soziologe Ansgar Hudde und sein Team Daten von mehr als 55.000 Befragten und 800.000 zurückgelegten Wegen ausgewertet und ihre Ergebnisse im Journal of Transport Geography und in Sociology veröffentlich.

Demnach sind Stadtbewohnerinnen und -bewohner mit Abitur 2018 rund 70 Minuten pro Woche geradelt – doppelt so viel wie noch 1996. Menschen ohne Abitur, die im ländlichen Raum leben, haben ein Fahrrad nur durchschnittlich etwa 26 Minuten wöchentlich benutzt. Insgesamt hat der Radverkehr in Deutschland innerhalb der letzten 30 Jahre um rund 40 Prozent zugenommen.

Radfahren als Gesundheitsfaktor

Die Forschenden sagen, dass der Fahrradtrend mit einer Bildungsexpansion zu tun habe. Es gebe immer mehr Menschen mit höherer Bildung, und die nutzten das Rad als eine Art Statussymbol. So könnten sie sich als modern, gesundheits- und umweltbewusst zeigen, im Gegensatz zu Autofahrenden.

Rund 20 Prozent der Stadtmenschen mit höherem Bildungsniveau in Deutschland bewegen sich laut Ansgar Hudde allein schon durchs Radfahren die von der WHO empfohlenen 150 Minuten. Für die Gesundheit vieler wäre es also wünschenswert, wenn der Radtrend sich auch auf dem Land zeigen würde.

"Die WHO empfiehlt, dass wir uns pro Woche mindestens 150 Minuten moderat körperlich bewegen. Mit 70 Minuten ist die Durchschnittsperson mit höherer Bildung in der Stadt schon gar nicht so schlecht dabei."
Ansgar Hudde, Institut für Soziologie und Sozialpsychologie, Universität Köln

Grundsätzlich werde bei der Wahl des Verkehrsmittels auch ein Symbolwert berücksichtigt. Menschen suchten nach Status und nach Anerkennung in ihrem Umfeld.

Fahrrad mit Symbolwert

Das Radfahren sei also nicht nur eine Kostenentscheidung oder die Entscheidung für das schnellste Verkehrsmittel. Faktoren wie Gesundheit und Umweltbewusstsein seien in den letzten Jahren wichtiger geworden und dazu passe eben eher das Fahrrad als Fortbewegungsmittel als das Auto.

"Was ich mit dem Rad relativ gut senden kann, ist Umweltbewusstsein, Modernität und Gesundheitsbewusstsein. Mit einem schicken neuen Auto kann ich vielleicht eher beruflichen Erfolg ausstrahlen."
Ansgar Hudde, Institut für Soziologie und Sozialpsychologie, Universität Köln
  • Moderator:  Thilo Jahn
  • Gesprächspartnerin:  Ilka Knigge, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin