Das Hafencity-Viertel in Hamburg ist am Reißbrett entstanden und das sieht man auch - schick, teuer, aber auch steril und ungemütlich. Beim geplanten Grasbrook-Viertel will man es jetzt besser machen. Bürgerinnen und Bürger dürfen ihre Idee mit einbringen.

Das Grasbrook-Viertel befindet sich auf einer Elbhalbinsel. Gar nicht so weit vom neu gestalteten Hafencity-Viertel entfernt auf der Südseite der Elbe mit Blick auf die Elbphilharmonie.

Das Hafenbecken in diesem abgeschotteten Hafengebiet wird kaum genutzt: Hier stehen lang gezogene Lagerhallen und einige denkmalgeschützte Gebäude. Aber das wird nicht mehr lange so bleiben: Auf dem größtenteils brach liegenden Gelände ist eine Modernisierung und Neubebauung geplant.

Für alle offen – Bürger sollen Ideen einbringen

Deutschlandweit gebe es kein vergleichbares Planungskonzept, berichtet unser Landeskorrespondent Axel Schröder. Er hat zwei der drei sogenannten Grasbrook-Werkstätten besucht. Sie sind für alle offen und eine Art "Wünsch-Dir-was", so beschreibt sie der Landeskorrespondent.

Darin befinden sich Stellwände, die über und über mit bunten Zetteln gespickt sind, auf denen die Hamburgerinnen und Hamburger ihre Ideen und Wünsche festgehalten haben. Die Bürgerinnen und Bürger waren von Anfang an bei der Planung des Grasbrook Viertels dabei.

Hafencity-Viertel entstand am Reißbrett

Dieses Verfahren ist das Ergebnis eines Lernprozesses. Bei der Neugestaltung des Hafencity-Viertels war es nämlich anders – sagen wir suboptimal – gelaufen: am Reißbrett und hinter verschlossen Türen, sagt Axel Schröder. Man sieht dem Viertel an, dass es nicht natürlich gewachsen ist. Es wirkt nicht besonders einladend – zu steril und ungemütlich.

Bei diesem Projekt ging es den Verantwortlich hauptsächlich darum, die Fläche möglichst profitabel zu nutzen: die Preise und Mieten für Wohnungen und Büros sind hoch. An manchen Stellen macht es dein Eindruck, dass die Menschen, die dort leben und arbeiten, nicht mitgedacht wurden. Das lässt zumindest der Bau eines Schulgeländes vermuten, bei dem ein wichtiges Element weggelassen wurde: Der Schulhof.

Weil das Geld nicht ausgereicht hat, um das Schulareal komplett zu bebauen, wurde der Schulhof einfach weggelassen. Die Schulkinder verbringen ihre Pausen inzwischen auf dem Dach des Gebäudes.
Axel Schröder, Dlf-Landeskorrespondent in Hamburg

Autoarm statt autofrei

Zwischendurch war auch im Gespräch, ob das Viertel autofrei bleiben sollte. Weil allerdings einige Menschen auf ein Auto angewiesen sind und auch die Feuerwehr, Krankenwagen und der Lieferverkehr eine Infrastruktur benötigen, hat man sich für einen Kompromiss entschieden.

Es wird weniger Parkplätze als in anderen Vierteln geben und an einer zentralen Stelle ist eine Carsharing-Station eingeplant. Außerdem wird die U-Bahn-Strecke ein wenig verlängert, damit die Bewohner des Grasbrook-Viertels eine gute Anbindung an die Innenstadt haben. Dazu wird es noch Leihräder, E-Roller und E-Scooter in diesem Viertel geben.

Der Siegerentwurf für die grobe Planung steht inzwischen fest: das Architekturbüro Herzog & de Meuron aus der Schweiz. Ach wenn es bereits ans Feintuning geht, hat die Stadtentwicklungssenatorin versprochen, dass die Bürgerinnen und Bürger sich weiterhin an diesem Prozess beteiligen können.

Ab 2023 sollen die Bauarbeiten beginnen. Mit der voraussichtlichen Fertigstellung wird zum Ende der 2020er Jahre gerechnet. Dann wird sich erst zeigen, wie viele und welche Ideen der Bürgerinnen und Bürger tatsächlich umgesetzt wurden.