Wir ärgern uns über zu hohe Mieten und denken, dass nur Menschen mit einem hohen Einkommen wirklich gut in der Stadt leben können. Doch Forscher haben nach der Auswertung einer riesigen Datenmenge in Kombination mit Google-Street-View-Bildern festgestellt: Es ist die Bildung, die das Leben in den Stadtvierteln besser macht.

Google Street View hat in den vergangenen Jahren einen Riesendatenschatz angehäuft. Den haben sich Wissenschaftler der Harvard Universität zunutzen gemacht. Laut Forschern wurden allein in 2016 in über 100 Ländern 3000 Städte fotografiert. Für die Studie ist vor allem der Vergleich der Bilder von 2007 und 2014 interessant. Für die erste Untersuchung haben die Wissenschaftler die Daten von fünf US-Großstädten ausgewertet: Baltimore, Boston, Detroit, New York und Washington.

Um die Datenmenge überhaupt bewältigen zu können, haben die Forscher eine Software entwickelt, mit der sie die Daten automatisch auswerten können. Sie haben eine künstliche Intelligenz trainiert, die lernt, woran Menschen festmachen, dass sie eine bestimmte Straße für sicher halten. Ein Kriterium ist, wie dicht eine Viertel bebaut ist. Danach hat das Programm für 1,6 Millionen Street-View-Aufnahmen einen Index berechnet. Dieser Wert auf einer Skala von 0 bis 25 wurde auf die Bilder aus 2007 und danach auf die von 2014 angelegt.

Gut entwickelte Stadtteile im Vorteil

Die Veränderung der Werte zeigt an, wie sich das Viertel entwickelt hat. Spannend ist die Kombination dieser Werte mit soziodemografischen Daten wie Einkommen, Mietpreise und Bildungsstand. Die Wissenschaftler haben mit der Methode drei Theorien überprüft und bestätigt: 

  • Die Lage von Stadtteilen verbessert sich, wenn dort auf engem Raum viele Menschen mit guter Bildung leben. Mietpreise und Einkommen sind dagegen weniger relevant.
  • Stadtteile, die schon gut entwickelt sind, entwickeln sich am ehesten weiter.
  • Stadtteile mit einer starken Wirtschaftskraft, beispielsweise mit vielen Einkaufsstraßen, wirken sich positiv auf die umliegende Gegend aus.