In den großen Städten nehmen wir es überall wahr: Kleine Läden verschwinden und schicke Designerläden machen auf, Wohnungen werden luxussaniert und frühere Nachbarn ziehen weg. Das Stadtbild scheint sich unaufhaltsam zu verändern. Zum Guten?

Steigende Mieten, hippe Cafés und schicke Restaurants - es wird immer teurer, in deutschen Großstädten zu leben. "Gentrifizierung" heißt das Schlagwort. Unsere Städte sind tief gespalten: in Arm und Reich, Migranten und bürgerlich werdende Hipster.

Polarisierung spaltet Städte

Manchmal geht es ganz schnell, bis ein Stadtviertel, in dem die Mieten günstig waren, zur sicheren Kapitalanlage wird. Manchmal verläuft dieser Prozess schleichend über viele Jahre. Doch die Tendenz ist eindeutig, die Gesellschaft polarisiert sich immer stärker.

"Die Pioniere der ersten Phase haben wenig Geld, aber ihre eigenen Lebensentwürfe, die sie verwirklichen wollen. Ohne es zu intendieren, bereiten sie die Infrastruktur für die zweite Phase vor."
Martin Kronauer, Stadtsoziologe

Und was können wir gegen diese Polarisierung tun? Martin Kronauer führt ein paar Vorschläge an, die die Städte in Zukunft beherzigen sollten wie: Der Zugang zu Wohnungen darf nicht allein über den Markt geregelt werden. Wir brauchen wieder einen sozialen Wohnungsbau, sagt der Stadtsoziologe. Förderung der Schulen in benachteiligten Gebieten und der sozialen Mischung in den Schulen. Städte müssen wieder Orte von Produktion und nicht nur von Dienstleistungen sein, um die sozial gemischten Quartiere zu stabilisieren.

"Die Mieten steigen, erste alt-eingesessene Haushalte ziehen aus, es kommt zu Konflikten mit den Pionieren. Schließlich ziehen die einkommensstärksten Haushalte nach, das Gebiet gilt als eine sichere Kapitalanlage."
Martin Kronauer, Stadtsoziologe

Martin Kronauer ist Stadtsoziologe und lehrt an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. In seinem Vortrag "Gentrifizierung. Von der Polarisierung unserer Städte" geht es um mehr als akademische Ursachenforschung. Martin Kronauer macht sehr deutlich, was seiner Meinung nach geschehen muss, um den Trend zur Polarisierung zu stoppen. Seinen Vortrag hat er am 23. Februar 2015 im Rahmen der Reihe "Auf der Höhe - Diagnosen zur Zeit" der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin gehalten.

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