Stammzellenspenden können für Menschen mit Blutkrebs lebensrettend sein. Als Spender kommen oft Menschen unter 30 infrage, besonders Männer. Warum das so ist und wie eine Stammzellenspende abläuft.

Wie eine Blutspende abläuft, wissen die meisten – selbst, wenn sie noch nie eine gemacht haben: Eine Vene wird gesucht, ein Zugang gelegt und das Blut abgenommen. Nach rund zehn Minuten sind etwa 500 Milliliter zusammengekommen.

Wie eine Stammzellenspende abläuft

Eine Stammzellspende hat dagegen den Ruf, nicht nur kompliziert, sondern unter Umständen sogar riskant zu sein. Das mag daran liegen, dass sie lange als Knochenmarkspende bekannt war. Knochenmark wiederum assoziieren wir oft mit der Wirbelsäule, einen Bereich unseres Körpers, an dem wir Eingriffe möglichst vermeiden wollen.

Dabei werde eine Knochenmarkspende gar nicht am Rücken entnommen. Und in den allermeisten Fällen reicht es, wenn Spender*innen ihre Blutstammzellen über das Blut spenden, erklärt Joachim Neubauer. Er ist Pressesprecher der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Sein Job ist es, über Stammzellspenden aufzuklären und Ängste zu nehmen.

"Man muss keine Angst vor der Knochenmarkspende haben."
Joachim Neubauer, Pressesprecher der DKMS

In neun von zehn Fällen ist eine Stammzellspende vergleichsweise unkompliziert, erklärt der Pressesprecher. "Die Spendenden bekommen zwei Zugänge zu den Armvenen. Auf der einen Seite wird Blut entnommen und durch eine spezielle Apparatur geleitet. Sie filtert die benötigten Stammzellen heraus. Das übrige Blut fließt über den zweiten Zugang zurück in den Körper." Die gespendeten Blutstammzellen werden dann dem Patienten bzw. der Patientin transplantiert.

Wann Knochenmark entnommen wird

In sehr seltenen Fällen sei tatsächlich eine Knochenmarkspende nötig. Ob Stammzellen aus dem Blut oder aus dem Knochenmark gewonnen werden, hängt unter anderem von der Erkrankung und der individuellen Situation des Patienten ab.

Joachim Neubauer erklärt, wie der Eingriff abläuft: "Bei einer Knochenmarkspende wird unter Vollnarkose aus dem hinteren Beckenkamm Knochenmark entnommen. Dafür werden kleine Schnitte gesetzt. Im Knochenmark befinden sich die benötigten Blutstammzellen."

Nach dem Eingriff fühle es sich meistens so an, als hätte man Muskelkater, berichtet Joachim Neubauer von den Erfahrungen von Knochenmarkspender*innen. Danach sollten sie sich einige Tage ausruhen. Das Knochenmark bildet sich innerhalb weniger Wochen wieder nach.

Vor allem junge Spender*innen gebraucht

Stammzellspenden werden vor allem für Menschen mit Blutkrebs benötigt. Sie können aber auch bei anderen Erkrankungen des blutbildenden Systems helfen – etwa bei schweren angeborenen Immundefekten oder bestimmten Erkrankungen der roten Blutkörperchen.

Wer Stammzellenspender*in werden möchte, kann sich in einer Spenderdatei registrieren. Der Bedarf ist nach Angaben der DKMS groß – obwohl allein in Deutschland rund zehn Millionen Menschen registriert sind.

Registriert werden können Menschen zwischen 17 und 55 Jahren, erklärt Joachim Neubauer. Vor der Registrierung gibt es außerdem einen Gesundheitscheck beim Hausarzt.

Passender Match aus Spender*in und Empfänger*in ist entscheidend

Eine Herausforderung bei dem Ganzen ist, ein Match zu finden. Denn Spender*in und Patient*in müssen bei ihren Gewebemerkmalen möglichst genau zusammenpassen. In Deutschland findet laut DKMS etwa jede zehnte Patientin bzw. jeder zehnte Patient keinen passenden Spender.

"Als Spender kommen vor allem Menschen unter 30 infrage, darunter besonders Männer."
Joachim Neubauer, Pressesprecher der DKMS

Siebzig Prozent der passenden Matches kommen von Männern unter dreißig, sagt Joachim Neubauer. Warum das so ist, ist wissenschaftlich gar nicht so leicht zu erklären. Als einen Grund gibt die DKMS an, dass es mehr männliche als weibliche Blutkrebspatienten gibt. Das gleiche Geschlecht wirke sich bei der Transplantation günstig aus.

Darüber hinaus können Schwangerschaften bei Frauen zur Bildung von bestimmten Antikörpern führen, die sich auf eine spätere Stammzelltransplantation auswirken können. Deshalb werden bei der Spendersuche unter bestimmten Umständen männliche Spender bevorzugt.

Wer noch nicht registriert ist, kann sich mit dem Thema Stammzellspende beschäftigen. Denn vielleicht passen die eigenen Gewebemerkmale genau zu denen eines Menschen, der dringend eine Stammzellspende braucht.

Shownotes
Stammzellenspender
Warum vor allem Männer unter 30 gesucht werden
vom 18. September 2026
Moderation: 
Marcel Bohn
Gesprächspartner: 
Joachim Neubauer, Pressesprecher der Deutschen Knochenmarkspenderdatei DKMS