Vor dem Start, immer das gleiche: Flugbegleiter geben Sicherheitshinweise - doch keiner guckt mehr hin. Das kann zum Problem für die Sicherheit werden. Deshalb haben einige Airlines Videos mit echten Hinguckern produziert.

Manchmal hilft Spiderman beim Anschnallen, oder im Kinosaal fallen die Sauerstoffmasken von der Decke – dann sitzen wir im Flugzeug und schauen die neuesten Sicherheitsvideos. Auf jeden Fall ist das unterhaltsamer als die Flugbegleiterin, die schematisch ihre Hinweise gibt.

Sicherheit hat Priorität

"Fly Like A Superhero", so nennt die amerikanische Airline "United" ihre neuen opulenten Filme, die im Hollywood-Stil Fluggästen die Sicherheitshinweise näher bringen sollen. Mittlerweile überbieten sich die Fluggesellschaften in solchen Spielereien: Wer hat das witzigste, coolste, trendigste Sicherheitsvideo?

All das machen die Fluglinien, weil Sicherheit bei ihnen die höchste Priorität habe, teilt "United" mit.

"Die Filme sind ein Weg, um mehr Interesse und Aufmerksamkeit bei unseren Kunden zu erzeugen, damit sie jedes mal der Sicherheitseinweisung folgen."
Fluggesellschaft "United"

Manche Fluggäste passen bei den Star-Videos besser auf, wobei der Effekt nach dem vierten oder fünften Film auch wieder verpuffen könnte.

Der Psychologe und ehemalige Flugbegleiter Sascha Thomas behandelt Patienten mit Flugangst. Er ist skeptisch, ob diese Videos Menschen mit Phobie helfen könnten: "Was ich mir vorstellen kann, ist, dass jemand der eine leichte kognitive Besorgnis hat, dadurch abgelenkt wird und ihn das ein oder andere zum Schmunzeln bringt."

"Bei jemandem mit einer klinisch relevanten Flugangst ist weitgehend egal, wie die Hinweise erfolgen, weil der ja gar nicht wirklich für so etwas aufnahmefähig ist."

Bei den meisten Menschen mit Flugangst beginne diese schon vor dem Flug, sagt Thomas. Er vermutet eine andere Strategie hinter den Clips: "Es gibt durchaus werbepsychologische Aspekte bei der Sache."

Spiderman, Star Wars und Mr. Bean zur Imagepflege

Eigentlich seien das Werbefilme, meint Thomas. Manche dieser Videos gehen viral mit mehr als 100 Millionen Klicks. Darauf setzen die Airlines auch bewusst wie Air New Zealand: Die Videos helfen "unsere Marke, unser Produkt und unsere Flugziele bekannt zu machen."

Deutsche Luftlinien sind dagegen noch zurückhaltend, was diese Art der Vermarktung angeht. Die Deutsche Lufthansa findet diese Videos unnötig und unseriös. Auch, weil nach den Vorgaben der Europäischen Agentur für Flugsicherheit bestimmte Hinweise in so einem Video vorkommen müssen und sie auch nicht zu schnell oder zu lustig präsentiert werden dürfen.

"Promis sorgen zwar für eine erhöhte Aufmerksamkeit und natürlich Spaß beim Zuschauen, können aber auch leicht von den dringend zu beachtenden Sicherheitsbestimmungen an Bord ablenken."
Deutsche Lufthansa