Sind Start-ups ein Glücksspiel oder lässt sich ihr Erfolg vorhersagen? Ein Wissenschaftler hat nun eine Künstliche Intelligenz entwickelt, die erfolgversprechende Start-ups findet.

Jeden Tag werden in Deutschland im Schnitt sechs Start-ups gegründet. Gemeinsam haben sie, dass ihre Gründerinnen und Gründer alle vom Erfolg träumen. Aber auch, dass sie in der Regel nur erfolgreich sein können, wenn sie von Anfang an finanzielle Förderung von Investorinnen und Investoren bekommen.

Vier von fünf Start-ups scheitern

Das New Yorker Marktforschungsunternehmen CB Insights hat 2016 untersucht, wie sich Start-ups auf dem Markt so schlagen und haben schlechte Nachrichten: Vier von fünf Unternehmen scheitern. Im Schnitt sind mehr als eine Million US-Dollar in die gescheiterten Start-ups investiert worden.

Wer Geld in eine Start-up-Idee steckt, will sein Geld natürlich nicht verbrennen, sondern das Vielfache davon zurückbekommen. Daher die große Frage: Lohnt sich die Investition für mich überhaupt?

Das ist schwierig zu beantworten, denn: "Wirtschaft ist dynamisch mit sehr vielen Unsicherheiten," erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Konstantin Köhler. Ist das Produkt überhaupt gefragt? Stimmt der Preis? Sind die Gründerinnen und Gründer wirklich fähig, ein solides Unternehmen aufzubauen?

Maschinelles Lernen sagt Geschäftserfolg vorher

Diese Fragen hat sich auch Andre Retterath gestellt. Er arbeitet für das Venture-Capital-Unternehmen Earlybird und promoviert an der TU München. Er hat untersucht, wie maschinelles Lernen den Geschäftserfolg besser vorhersagen kann als Investmentprofis. Dafür hat er eine Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt, die erfolgreiche Start-ups finden soll. Das Ziel: Wenn irgendwo ein Unternehmen an einer Riesenidee - wie dem nächsten "Facebook" - arbeitet, soll dieses Start-up entdeckt werden.

Die Software scheint zu funktionieren: Der Algorithmus sagt im Versuch 80 Prozent erfolgreiche Start-ups voraus. Damit ist die KI besser als menschliche Geldgeberinnen: "Der Durchschnitt der menschlichen Investoren liegt bei 57 Prozent", sagt Konstantin Köhler.

Damit die KI von Andre Retterath so clever entscheiden kann, muss sie mit vielen Daten gefüttert werden: Informationen zu bisherigen Finanzierungsrunden, allgemeine Wirtschaftsdaten, Daten aus der Marktforschung, Konsumtrends, Anzahl der Mitarbeitenden im Unternehmen, wo werden sie rekrutiert, wie oft wird die Website angeklickt und so weiter.

"Alle Daten, die irgendwie verfügbar sind, werden gesammelt."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Kurz gesagt: Die KI will alles wissen, was es über das Start-up zu wissen gibt. Der Vorteil an Systemen des maschinellen Lernens ist, dass sie selbst definieren, welche Kriterien wichtig sind. Danach findet die Software die erfolgversprechendsten Start-ups. Das macht dann die KI von ganz alleine. Im besten Falle.