Seit sich das Erbgut schnell und preiswert bestimmen lässt, sehen die Befürworter ungeahnte Möglichkeiten, die Menschheit von schlimmen Leiden befreien zu können.

Der Molekularbiologe Bernd Müller-Röber von der Universität Potsdam verweist auf verschiedene Techniken, wie bei Pflanzen, Tieren und Menschen in das Erbut eingegriffen werden kann, um beispielsweise Menschen von schweren Krankheiten zu heilen. Eine Möglichkeit sind sogenannte molekulare Scheren. Wissenschaftler entwickeln diese, um damit die DNA zu verändern.

"Man kann also ganz spezifisch in nahezu jedem Genom die DNA zerschneiden, und das hat bestimmte Vorteile."

Der Medizinrechtler und das Ethik-Kommissionsmitglied Jochen Taupitz von der Universität Mannheim stellt die Frage, warum wir denn eigentlich nicht in die Genetik eingreifen sollten. Niemand rege sich darüber auf, dass die Natur selbst ständig Veränderungsprozesse erzeuge. Dies könne schließlich auch nicht verboten werden.

"Worin besteht wirklich der substanzielle Unterschied, ob bestimmte Veränderungen von uns Menschen gemacht werden oder ob sie auf natürliche Weise in der Natur entstehen?"

Je mehr technische Möglichkeiten wir haben, desto stärker stelle sich die Frage, ob wir denn nichts dürften, was wir können. In einem freiheitlichen Rechtsstaat wie Deutschland sei schließlich alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten sei. Für seine Verbote müsse der Staat stets sehr triftige Gründe hervorbringen, so Taupitz.

In der Expertendiskussion meldet sich auch der Wissenschaftler Boris Fehse mit ähnlicher Meinung zu Wort. Er ist davon überzeugt, dass man in Sachen Gentechnik beim Menschen künftig nur solche Bereiche anpacken werde, in denen sich die Forscher sicher genug fühlten.

"Ich denke schon, dass wir am Patienten nur das tun werden, von dem wir gut wissen, was wir tun."

Bei der Diskussionsrunde handelt es sich um eine Veranstaltung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften unter dem Thema "Genomchirurgie - Das Ende aller Probleme?".