Beim Crowdfunding ist nicht jedes Projekt am Ende so erfolgreich, wie es am Anfang vielversprechend war. Doch was passiert mit dem Geld, wenn das Start-Up pleite geht oder das Projekt erst nicht zustande kommt? Nicht in allen Fällen gibt’s das Geld zurück.

Ganz grundsätzlich gilt beim Crowdfunding: Scheitert das Projekt noch in der Finanzierungsphase, bekommen die Unterstützerinnen das Geld zurück oder es wird erst gar nicht abgebucht. Scheitert das Projekt allerdings erst nachdem genügend Geld zusammengekommen ist, kann es gut sein, dass das investierte Geld weg ist, sagt die Wissenschaftsjournalistin Katja Scherer. Ihr Rat: Bevor man ein Projekt unterstützt, sollte man sich genau ansehen, wer und was dahintersteckt.

Kaufvertrag greift nicht immer

Kommt ein Projekt nicht zustande, haften dafür grundsätzlich immer die Projektanbieter. Denn sobald man auf der Crowdfunding-Seite auf "Unterstützen" geklickt hat, gehen sie einen Kaufvertrag mit dem Unterstützer ein: Sie verpflichten sich also dazu, das Projekt umzusetzen und der Person innerhalb einer bestimmten Frist beispielsweise noch ein fertiges Produkt oder einen Gutschein für den neuen Laden zuzusenden.

"Beim klassischen Crowdfunding, bei dem man einem Projekt Geld gibt und dann innerhalb einer bestimmten Frist zum Beispiel ein fertiges Produkt zugeschickt bekommen soll, schließt man tatsächlich eine Art Kaufvertrag ab."
Katja Scherer, Wissenschaftsjournalistin

Das funktioniert aber in der Praxis nicht mit allen Produkten. Hat man beispielsweise in ein Start-Up investiert, das einen neuen E-Roller entwickeln möchte und die Entwicklung des Rollers dann aber nicht funktioniert, gibt es keinen Roller zugeschickt und das Geld ist erstmal weg.

Eine Klage hilft selten

Hat man sogar größere Summen investiert und möchte diese nun wieder einklagen, ist das in manchen Fällen gar nicht so einfach und auch nicht immer sinnvoll, sagt der Rechtsanwalt Michael Augustin. Denn man muss davon ausgehen, dass der Initiator des Crowdfundings in vielen Fällen einfach pleite ist. Für die Investorinnen bedeutet das: Da ist nichts mehr zu holen.

"Manchmal muss man befürchten, dass dieser Initiator des Crowdfundings eben kein Geld mehr hat. Und wenn der kein Geld hat, dann kann man das bei dem auch nicht wieder holen. Also das ist ein durchaus großes Problem."
Michael Augustin, Rechtsanwalt

Michael Augustin sagt aber auch, dass man bei einer Klage trotzdem den Vorteil hätte, am Schluss ein Urteil vorliegen zu haben. Damit könnte man am Ende durch eine Zwangsvollstreckung doch noch an sein Geld kommen.

Je mehr Geld, desto genauer die Prüfung

Die einzelnen Crowdfunding-Plattformen spielen hierbei unterschiedliche Rollen. Im Start-Up- und Immobilienbereich gibt es beispielsweise Plattformen, die nur sehr ausgewählte Projekte bewerben und sie deshalb auch genauer prüfen lassen. Denn hier investieren Unterstützerinnen beispielsweise gleich mehrere tausend Euro in ein Projekt oder beteiligen sich sogar an dem Unternehmen.

Eigenverantwortung ist gefragt

Bei Plattformen, die dagegen sehr viele, dafür kleinere Projekte wie beispielsweise eine CD-Produktion oder einen neuen Power-Riegel bewerben, werden deutlich weniger Daten geprüft. Hier fehlt die Kapazität, um sich alle Projekte im Detail anzuschauen. Es wird lediglich sichergestellt, dass sich die Projektinitiatorinnen mit Klarnamen und Konto registrieren. So soll ausgeschlossen werden, dass die Projektanbieter mit dem Geld am Ende einfach abhauen.

David Rhotert, Mitbegründer der Crowdinvesting-Plattform Companisto, setzt zudem auf die Eigenrecherche der Investierenden.

"Die Plattformen setzen darauf, dass sich Einzelne, die sich für das Projekt besonders interessieren, damit auseinandersetzen und dann selbstbestimmt ihre Entscheidung treffen.“
David Rhotert, Mitbegründer der Crowdinvesting-Plattform Companisto

Vor einer Investition kann deshalb helfen:

  • die FAQ und AGB der Plattformen vorher durchzulesen.
  • die Projektbeschreibungen immer genau durchzulesen.
  • bei Unklarheiten bei den Initiatoren nachzufragen. Kommt hier keine oder eine komische Antwort, sagt das schon viel über Verlässlichkeit oder Glaubwürdigkeit aus.
  • die Initiatorinnen an sich zu checken: Was haben sie vorher gemacht? Bringen sie die nötige Expertise mit?
  • nicht jedem Hype aus den sozialen Netzwerken blind zu folgen.

Am wichtigsten ist jedoch: Man sollte immer nur das Geld investieren, auf das man prinzipiell verzichten kann, sagt Katja Scherer. Investitionen in Crowdfunding-Kampagnen sollte man also besser als Spende sehen, dann ist der Totalverlust von Anfang an einkalkuliert und es gibt am Ende kein böses Erwachen.