Richtig, es geht niemanden etwas an, wie wir unsere Zeit verbringen. Trotzdem kann es für die Politik oder Wissenschaft wichtig sein zu wissen, wie viel Zeit wir mit welchen Tätigkeiten verbringen. Um zum Beispiel zu messen, ob gesetzliche Regelungen greifen.

Das Statistische Bundesamt soll herausfinden, wie viel Zeit wir für welche Tätigkeiten aufwenden. Und das geht ganz schön ins Detail:

  • Wann stehst du morgens auf?
  • Wie viel Zeit verbringst du mit Kaffee kochen und Frühstücken?
  • Wie lange brauchst du im Bad?
  • Wie lange brauchst du für den Weg zur Uni oder Arbeit?
  • Wann machst du Mittagspause?
  • Wann kommst du heim von der Arbeit?
  • Spielst du dann Tennis oder Fußball, Klavier oder Gitarre?
  • Verbummelst du deine Freizeit einfach im Park?
  • Gehst du abends dann ins Restaurant oder in die Kneipe?
  • Oder kochst du dir selber etwas?
  • Wie lange dauert es, bis das Essen auf dem Tisch steht?

Mit der Zeitverwendungserhebung (ZVE) will das Statistische Bundesamt ein realistisches Bild von der Zeitverwendung der Menschen bekommen. Die Teilnahme ist freiwillig und erfolgt über die ZVE-App. Wer Lust hat mitzumachen, lädt sich die App herunter und führt an drei beliebigen Tagen in der Woche exakt Tagebuch.

Gerechte Aufteilung von Arbeiten in der Gesellschaft

Ruth Abramowski sieht in der ZVE eine Quelle neuer Erkenntnisse. Sie forscht am Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik Socium, das sozialwissenschaftliche Institut der Uni Bremen, und hat sich in ihrer Doktorarbeit schon mit der Aufteilung von Hausarbeit in Paarbeziehungen beschäftigt.

Um eben genau festzustellen, wie gerecht Erwerbstätigkeit, Sorgearbeit
und Freizeit aufgeteilt sind, sei es wichtig, mehr über diese Zeitaufteilung zu erfahren:

  • Mit welchen Tätigkeiten sind die Menschen im Alltag betraut?
  • Sind sie erwerbstätig?
  • Wenn ja, wie lange sind sie erwerbstätig?
  • Führen sie beispielsweise Ehrenämter aus?
  • Wie sieht es mit der Aufteilung von Sorgearbeiten aus?
  • Wann widmen sie sich unbezahlten Sorgearbeiten?
  • Wann verbringen sie ihre Zeit mit Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen?
  • Wann verbringen sie Zeit mit dem Zubereiten von Mahlzeiten?
  • Wie gestalten sie ihre die Freizeit?
  • Haben sie Zeit ins Kino oder Theater zu gehen?

Möglichst breiter Querschnitt durch die Bevölkerung

Für das Statistische Bundesamt ist deshalb auch wichtig, dass die Daten aus einem möglichst breiten Querschnitt durch die Bevölkerung stammen. Mit diesen Daten können auch Institutionen und Organisationen wie der Deutsche Frauenrat arbeiten, der gerne mehr über das Verhältnis von bezahlter und unbezahlter Arbeit unter den Geschlechtern erfahren möchte.

Die Politik könnte anhand dieser Daten nachvollziehen, ob bestimmte Regelungen und Gesetze auch tatsächliche die Ergebnisse erzielen, die damit beabsichtigt wurden. Beispielsweise mehr Investitionen in Kitas: Entlastet das den Eltern? Verändert sich die Zeitaufteilung in Paarbeziehungen mit Kindern?

Zeit für Freizeit als Wohlstandsindikator

Ruth Abramowski würde gerne mehr über das Arbeits- und Freizeitverhalten erfahren, an dem sie ablesen kann, wie der Wohlstand in der Gesellschaft verteilt ist. Denn Wohlstand wird nicht nur über das Einkommen, sondern auch über die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung bestimmt.

"Wir gehen davon aus, dass Wohlstand von Bevölkerungen eben nicht nur über ökonomische Kennzeichen wie beispielsweise das Bruttoinlandsprodukt erfasst werden kann, sondern dass das Verbringen der jeweiligen Zeit wirklich auch ein Wohlstandsindikator ist."
Ruth Abramowski, Sozialwissenschaftlerin Uni Bremen
  • Autor:  Martin Krinner