Steffen steht am Anfang seiner Karriere und ist jetzt Corona-bedingt in Kurzarbeit. Das hat ihm am Anfang Sorgen gemacht, doch inzwischen weiß der 29-Jährige, dass es ihm vergleichsweise gut geht.

Steffen ist 29, hat sein Studium abgeschlossen und arbeitet schon seit drei Jahren in der Automobilzulieferer-Branche. Seit sieben Monaten hat er seinen aktuellen Job – und ist seit April wegen der Corona-Pandemie in Kurzarbeit.

"Im ersten Moment hat man schon gedacht: Wie bin ich jetzt davon eigentlich betroffen?"
Steffen

Als der Betrieb die Maßnahmen angekündigt hatte, war das für Steffen eine völlig neue Situation, wie er erzählt. Erst hatte er ein mulmiges Gefühl und sogar Angst, dass ihm gekündigt werden könnte. Schließlich war er noch in der Probezeit. Doch sein Arbeitgeber gab ihm Rückendeckung: "Es gab schnell umfangreiche Informationen von der Firma, was das für den einzelnen bedeutet", sagt Steffen. "Von daher konnte man sich einigermaßen schnell einrichten."

"Mir geht es tatsächlich relativ gut damit", beschreibt der 29-Jährige. Er muss keinen Kredit abbezahlen, keine Familie versorgen. "Ich bin deswegen finanziell natürlich auch ganz gut aufgestellt."

"Da tut es nicht ganz so weh mit der Kurzarbeit."
Steffen

Steffen merkt zwar, dass er weniger Gehalt bekommt, das bringt ihn aber nicht gleich in Schwierigkeiten. "Ich komme auf jeden Fall klar, aber ich sehe schon, dass das für viele zum Problem werden kann, weil da ja ein guter Teil vom Einkommen wegbricht."

Trotz der sozialen und wirtschaftlichen Vorteile von Kurzarbeit, die weltweit als Vorbild-Maßnahme gesehen wird, gibt es durchaus Kritik: Eine Studie von der Hans-Böckler-Stiftung vom April zeigt, dass das Geld nur denjenigen was bringt, die vorher schon gut verdient haben.

Menschen, die ein niedriges Einkommen beziehen, können nicht von zwei Dritteln ihres Gehalts leben – Zuschläge wie Trinkgeld werden auch nicht berücksichtigt, was einen großen Teil des Verdienstes von Menschen in der Gastronomie ausmacht. Untere Lohngruppen, aber auch Frauen, profitieren deswegen selten, was zu einer größeren sozialen Ungleichheit führt.

Kurzarbeit: Weniger Arbeitszeit aber dasselbe Arbeitspensum?

Oft kommt es vor, dass Menschen zwar auf dem Papier weniger Arbeitszeiten, aber immer noch den gleichen Workload haben. Das empfindet Steffen ähnlich: "Ein bisschen weniger arbeiten wir tatsächlich", meint er zwar. Da der 29-Jährige im Controlling-Bereich seines Betriebs arbeitet und alle Abteilungen auf Kurzarbeit umgestellt haben, kämen an den Kurzarbeitstagen weniger Anfragen rein. "Aber das Tagesgeschäft bleibt im gleichen Umfang erhalten. Natürlich kommt man schon in zeitliche Bedrängnis an den Tagen, wo man am Arbeiten ist."

Wie viel Gehalt er am Ende des Monats auf sein Konto überwiesen bekommt, weiß Steffen auch nicht genau – denn die Kurzarbeitsquote variiert je nach Auftragslage. Steffen schätzt, dass er gerade im Durchschnitt 20 Prozent weniger Geld verdient. Aber er sieht auch Vorteile in den kürzeren Arbeitszeiten.

"Ganz verkehrt finde ich das nicht, dass ich jetzt ein paar Tage die Woche weniger arbeite."
Steffen

Er hat mehr Zeit für seine Hobbys: Serien schauen, Bücher lesen – nur Tischtennis-Verein geht gerade nicht, weil die Hallen noch zu sind. Trotzdem hofft er, dass sich die Auftragslage bald wieder verbessert. "Prinzipiell bin ich sehr froh, wenn ich wieder voll arbeiten kann", sagt der 29-Jährige. Das läge auch daran, weil er sich dann keine Gedanken mehr darüber machen muss, ob er seine Stelle behalten wird.