Der Tod schafft absolute Klarheit. Wer weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat, weiß genau, was er sich wünscht - wie etwa ein letztes Mal an die Nordsee zu fahren. Um solche Wünsche kümmert sich Frank Wenzlow und organisiert sogenannte "Sternenfahrten".

Katrin Lisbeth Wenzlow ist mit 39 Jahren an Krebs gestorben. Ihr letzter großer Wunsch vor ihrem Tod war, noch einmal nach Cuxhaven zu fahren und einen richtig schönen Abschiedsbrunch am Meer zu genießen. Ihr Wunsch scheiterte damals, weil es zu teuer war, den Transport zu organisieren. Das war 2014. Ihr Mann, Frank Wenzlow, hat das lange nicht verwunden.

Frank Wenzlow
© Frank Wenzlow
Nach dem Tod seiner Frau hat Frank Wenzlow keinen Antrieb mehr in seinem Leben gehabt, bis ihm die Idee kam, anderen Menschen wie seiner Frau damals einen letzten Wunsch zu erfüllen

Beruflich ist Frank Wenzlow Sachverständiger und Gutachter für Rettungsdienste und Feuerwesen und war früher einmal Notfallmediziner. Nach dem Tod seiner Frau fällt er in ein Loch, ist selbst suizidgefährdet.

Sternenfahrten als sinnstiftende Aufgabe

In der Krise sammelt er sich und gewichtet die Dinge in seinem Leben neu. Er fasst den Entschluss, "Sternenfahrten" für Sterbende zu organisieren und gründet den Verein Ambulance-Service Nord. Anderen solle es nicht so ergehen wie seiner Frau damals.

Sternfahrten
© Frank Wenzlow
Der Sternenfahrten-Wagen des Ambulance-Service Nord e.V. ist Frank Wenzlows Frau Katrin Lisbeth gewidmet

Frank Wenzlows Idee ist nicht vollkommen neu. Ein ähnliches Angebot macht zum Beispiel der Arbeiter-Samariter-Bund mit dem "Wünschewagen".

"Der absolute Klassiker unter den Wünschen ist, noch einmal an die Nordsee zu fahren."
Frank Wenzlow organisiert "Sternenfahrten"

Frank Wenzlow erzählt, dass häufig gewünscht werde, noch einmal an die Nordsee zu fahren. Einmal um die Füße ins Meer zu hängen. Aber es hätte auch einmal einen Mann gegeben, der seiner Familie vor seinem Tod zeigen wollte, wo sein zukünftiger Verbleib sein werde, weil er eine Seebestattung plante.

Wünsche reichen von "noch mal ins Reine kommen" bis "noch mal einen Draufmachen"

Daneben gebe es zahlreiche andere Wünsche, die sehr breit gefächert seien, sagt Frank Wenzlow. Manche Menschen würden sich vor ihrem Tod wünschen, noch mal Ordnung zu schaffen, ungeklärte Konflikte mit der Familie zu lösen, ins Reine zu kommen mit sich und der Welt.

Aber es gebe auch die Sorte Mensch, die einfach in den letzten Stunden noch einmal richtig Spaß haben wolle. Das Sternenfahrt-Auto ist auch für solche Spaß-Touren entsprechend ausgerüstet, erzählt Frank Wenzlow.

"Eine Frau wollte unbedingt noch einmal mit ihrer Clique so richtig einen Draufmachen."
Frank Wenzlow organisiert "Sternenfahrten"

Für so eine Fahrt könnten die Organisatoren entsprechend Stimmung im Wagen verbreiten und Party-Musik auflegen. "Die Frau hat mit ihrer Clique einen Supernachmittag verbracht", sagt Frank Wenzlow.