Unsere Luft in den Städten ist zu dreckig. Nur ein Fahrverbot für Diesel kann wirklich Abhilfe schaffen.

Insgesamt ist die Stickstoffdioxidbelastung in Deutschland gesunken, aber die Werte liegen immer noch bedenklich hoch, sagt Deutschlandfunk-Nova-Umweltexperte Georg Ehring. 

Überschreitung des Jahresgrenzwerts für Stickoxide
© Umweltbundesamt

In den ersten sechs Wochen dieses Jahres ist in 35 Städten der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Stickoxid überschritten worden, fasst Georg die aktuelle Lage zusammen. Besonders schlimm sei es in München, Stuttgart, Kiel, Hamburg. Der Umweltverein Deutsche Umwelthilfe schätzt, dass noch viel mehr Städte stark belastet sind, aber nicht überall werde die Luft gemessen.

Städte mit Stickoxid belastet
© Umweltbundesamt
Mit Stickoxid belastete Städte
© Umweltbundesamt

Der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) und ist ungefähr doppelt so hoch, wie die Menge, von der vermutlich gesundheitsschädigende Effekte ausgehen können. Der europaweite Jahresgrenzwert wurde 1999 beschlossen und gilt in Deutschland seit 2010.

Nach einer Studie des Umweltbundesamtes kommen pro Jahr 6000 Menschen durch die gesundheitsschädliche Wirkung der Stickoxide ums Leben. Das sind doppelt so viele wie Verkehrstote. Herzkreislauferkrankungen sind sehr häufig die Folge. Auch andere, ältere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen, erklärt Georg.

"Schmutzige Diesel aus den Innenstädten herauszuhalten - auf welche Weise auch immer -, das ist die Maßnahme, die wirklich was bringt."
Georg Ehring, Deutschlandfunk-Nova-Umweltexperte

Der Anteil der Dieselfahrzeuge sinkt. Wer noch ein älteres Dieselfahrzeug besitzt, überlegt sich, wie er es ersetzen kann. Fahrverbote, wenn sie jetzt möglich werden, werden sicherlich nicht schnell kommen, sagt Georg. 

Zum Beispiel müsste der Bund ein Gesetz beschließen, dass Fahrzeuge eine blaue Plakette bekommen, die nicht in die Städte hineinfahren dürfen. Anhand der Plaketten könnten dann Ordnungsamt und Polizei Fahrzeuge kontrollieren. Alternativ müssten sie die Fahrzeugpapiere kontrollieren – was im Berufsverkehr gar nicht machbar ist. 

Außerdem sind eine Reihe andere Schritte wie Beschilderung, Ratsbeschlüsse und die Beteiligung der Öffentlichkeit geplant, so dass noch einige Zeit verstreichen wird, bevor ein wirkliches Fahrverbot kommen wird, schätzt Georg.

Für die Autofahrer ist das eine Karenzzeit, bis ein tatsächliches Fahrverbot wirksam wird, in der sie überlegen können, ob sie weiterhin ein Dieselfahrzeug fahren wollen. Gleichzeitig haben die Autokonzerne Zeit zu überlegen, ob sie Geld in die Hardware-Nachrüstung alter Dieselautos stecken. Diese Nachrüstung ist laut Studie des ADAC machbar und wirksam im Gegensatz zu den Software-Updates.

Weitere Schritte zur Stickoxid-Reduzierung: 

  • Befeuchtung der Fahrbahn zur Bindung von Feinstaub und Stickoxiden.
  • Umrüstung der Busse auf Elektro-Busse
  • Umweltfreundlicher Lieferverkehr

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