Benjamin Ansari ist 17 Jahre alt. Als beim Genozid in Ruanda vor 21 Jahren 800.000 Menschen starben, war er noch nicht geboren. Aber sein Großvater Rudolf lebte von 1988 bis 1998 in dem Land. Auch während des Genozids.

Jetzt ist Benjamin für ein Film-Projekt mit seinem Großvater wieder durch Ruanda gereist. Sie mit haben mit Künstlern, Journalisten gesprochen – über damals, die Aufarbeitung der Geschichte und ein Land, das sich entwickeln möchte.

Mehr als stille Hügel

Eigentlich begann das Thema schon mit elf Jahren in ihm zu gären: Als er seinen Großvater zu einem Dia-Vortrag begleitete, hörte er das erste Mal mehr von Ruanda. Mehr als nur dessen Bewunderung der tollen Landschaft, seiner vielen eindrücklichen Erfahrungen und Begegnungen mit tollen Menschen. Spätestens als er den Film "Hotel Ruanda" gesehen hatte, bekam er ein Gefühl für das Ausmaß des damaligen Massakers.

Dass daraus ein eigenes Projekt wurde, das hat das Stipendienprogramm "Pfad.Finder" der Uni-Witten-Herdecke möglich gemacht. Es unterstützt junge Leute dabei, besondere Projekte zu realisieren, bevor sie ein Studium beginnen. "Ich hatte großen Respekt vor der Aufgabe", sagt Benjamin.

"Kwiubka steht für "Erinnern". Das ist ein Wort, das mir im ganzen Land begegnet ist. Überall in den Straßen, an Supermärkten oder Kinos, findet man Plakate, die aufrufen: Erinnert euch!"
Benjamin Ansari

Die Reise begann in Kigali, der Hauptstadt Ruandas. In den ersten drei Wochen besuchte Benjamin mit seinem 76-jährigen Großvater die Orte von damals. Dann war er noch zwei Wochen alleine unterwegs. Opa Rudolf trifft alte Bekannte. Benjamin neue Gesichter. Er trifft den Journalisten Iwan, der seine Aussagen aus Angst vorsichtig abwiegt oder die Sportmanagerin des Teams Ruanda, ein Fahrradteam, das aus Genozidwaisen besteht. Ihr Ziel ist nicht nur der sportliche Erfolg, sondern Symbole für eine Versöhnung zu schaffen.

"In den Gesprächen kam heraus, dass die Leute in die Zukunft blicken wollen. Dass sie das Gefühl haben, dass es einen neuen Zusammenhalt gibt."
Benjamin Ansari

Benjamin folgt auf seiner Reise einem Dokumentationsplan, den er gemeinsam mit einem Mentor der Uni erstellt hat. Mit Foto- und Filmkamera ist er ausgerüstet. Und immer in Verbindung, wenn er Unterstützung braucht. Wichtig ist Benjamin, der schon mit 16 Abi gemacht hat, nicht nur die Geschichte aufzuarbeiten, sondern auch ein Ruanda zu zeigen, das vielen nicht bekannt ist. Sei es die Tatsache, dass es dort schon lange eine Frauenquote gibt oder dass Plastiktüten verboten sind. Eine Erkenntnis, die er aus seinen Gesprächen vor Ort mitnimmt: Eine Art Vorfreude der Ruander auf das, was kommt.

Im November will er den Film fertig schneiden. Teil seines Films sollen nicht nur die neuen Eindrücke und Aufnahmen sein, sondern auch alte Filmaufnahmen seines Großvaters.

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