Die wenigsten Straftäter werden nach der Verurteilung direkt in die Zelle geschickt. Die meisten dürfen erst mal wieder nach Hause gehen. Später bekommen sie Post vom Gericht, worin steht, wann Haftantritt ist. Einige tauchen aber stattdessen unter.

Normalerweise können Straftäter in der Zeit zwischen Verurteilung und Haftantritt noch ein paar Sachen in Ordnung bringen, Gespräche führen, sich von Freunden verabschieden. Andere nutzen das, um unterzutauchen. Momentan sind in Deutschland mehrere tausend Menschen auf freiem Fuß, die eigentlich in den Knast gehören. Je nach Bundesland schwankt die Zahl - in Mecklenburg-Vorpommern sind es 1000, in Bremen nur fünf. Jochen Kopelke von der Bremer Polizei sagt, es reiche nicht, einfach zu denen nach Hause zu fahren.

"Menschen, die sich verstecken, um einer Haft zu entgehen, werden so kreativ, das können Sie sich gar nicht vorstellen."
Jochen Kopelke, Chef der Gewerkschaft der Polizei in Bremen

Bei vielen Fällen handelt es sich um nichts Ernstes. Da geht es um Ersatzfreiheitsstrafen, die Täter bekommen, wenn sie bei kleineren Vergehen eine Geldstrafe nicht bezahlen wollen oder können. Aber der Rest sind Menschen, die zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurden. Darunter sind auch Straftäter aus der rechten und linken Szene. 372 von ihnen werden per Haftbefehl wegen rechtsmotivierter Straftaten gesucht, laut Innenministerium werden mehr als hundert Straftäter aus dem linksextremen Spektrum gesucht. Für die Polizei bedeutet das viel zusätzliche Arbeit. Das geht bis zur Zielfahndung.

"Sacharbeiter schauen dann: Wie sind die Familienverhältnisse, wo hat er in der Vergangenheit gelebt und so weiter. Die Polizei ist aber auch gut vernetzt mit anderen Sicherheitsbehörden."
Jochen Kopelke, Chef der Gewerkschaft der Polizei in Bremen

Im Internet gibt es jede Menge Anleitungen, wie man am besten untertaucht. Dass man sich nicht gleich bei der besten Freundin einquartiert, dass man ständig sein Aussehen verändert und dass man sich ziemlich schnell ins europäische Ausland absetzen solte. Das klingt zunächst recht einfach, ist es laut Polizei aber nicht. Jochen Kopelke sagt: "Wer die psychische Stärke hat das auszuhalten, der könnte gegebenenfalls damit durchkommen. Meine Erfahrung im Polizeidienst zeigt aber: die besitzt fast niemand."


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