Netflix will sich neu erfinden. Der Streaminganbieter soll an einer Livestreaming-Funktion arbeiten, die ans lineare TV erinnert. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte erklärt, was der Streamingdienst damit bezweckt und was wir davon erwarten können.

Das US-Magazin Deadline berichtet, dass Netflix offenbar an Live-Formaten arbeitet. Die Streamingfirma hat entsprechende Pläne bereits bestätigt. Demnach befinde sich Netflix damit in einem frühen Entwicklungsstadium. Inhaltlich sehe der Streaminganbieter zum Beispiel Stand-up-Comedy-Specials für die Liveshows.

Eine weitere Idee ist laut Deadline, dass Netflix Live-Votings in die Sendungen einbauen will. Dafür hätten Talent-Wettbewerbe wie "Dance 100" Potenzial. Ein anderer potenzieller Live-Bereich wären Show-Improvisations-Serien wie "Murderville", die ohne Drehbuch auskommen.

Wann die Live-Streaming-Formate starten sollen, ist noch unklar. Es ist auch noch nicht bekannt, ob es sie in allen Ländern geben wird.

Warum Netflix sich dem linearen TV angleichen will

Netflix tritt damit bewusst in Konkurrenz zum klassischen linearen Fernsehen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte. Denn bislang beschränkten sich die meisten Anbieter darauf, bereits fertig produziertes Material wie Filme, Serien oder Dokumentationen zu streamen. Wenn sie zusätzlich die klassischen TV-Nutzer*innen gewinnen würden, könnten sie doch noch weiter wachsen, vermutet Martina Schulte.

"Bei der Vorstellung der letzten Quartalszahlen reagierten die Börsen geradezu panisch, weil die Abozahlen bei Netflix erstmals seit zehn Jahren gesunken waren –und zwar um 200.000 Abos."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Für die Plattform ist das eines der wenigen verbleibenden Wachstumspotenziale, glaubt Martina. Denn erstmals seit zehn Jahren sinken die Abo-Zahlen beim Streaminganbieter statt zu wachsen. Die Gründe dafür sieht unsere Reporterin im geringeren Konsum aufgrund sinkender Corona-Infektionszahlen. Hinzu komme, dass die Konkurrenz sehr groß ist.

"Netflix braucht dringend mehr Eigenproduktionen", sagt Martina Schulte außerdem. Denn ein weiterer Grund für die sinkenden Abo-Zahlen sei, dass die Plattform viel Premium-Content nicht mehr zeigen könne, weil die Content-Anbieter wie Disney oder Amazon sie nun selbst streamen.