Die Gefahr von Stromausfällen ist wegen der Energiekrise gestiegen. Großflächige, unkontrollierte Blackouts scheinen trotzdem sehr unwahrscheinlich.

Aufgrund der Energiekrise werden Stromausfälle in Deutschland und auch in Europa im Winter wahrscheinlicher. Mehrere Faktoren begünstigen sie:

  • In Frankreich sind viele Atomkraftwerke nicht am Netz. Außerdem ist der Strompreis dort gedeckelt, sodass es für die Verbraucher*innen wenig Anreiz gibt, Strom zu sparen. Das Stromnetz in Europa hängt in einem sogenannten Verbundnetz zusammen, sodass die Situation in zum Beispiel Frankreich auch Einfluss auf das deutsche Stromnetz hat.
  • Womöglich werden mehr Menschen in den kommenden kalten Monaten elektrisch betriebene Heizlüfter und Radiatoren betreiben.
  • Manche Flüsse haben immer noch Niedrigwasser, sodass Schiffe mit weniger Ladung fahren müssen und so zum Beispiel weniger Kohle zu Kohlekraftwerken transportieren können als üblich. Die Pegelstände des Rheins steigen aktuell aber wieder.

Sollten die Mengen erneuerbaren Stroms im Winter sinken, wäre das ein zusätzlicher ungünstiger Faktor. Die vergangenen 15 Monate zeigen aber, dass die Strommenge aus erneuerbaren Quellen auch im Herbst und Winter sehr hoch sein können.

Wie wahrscheinlich Stromausfälle in Deutschland sind, ist schwer zu prognostizieren. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Nicolas Lieven hält einen deutschlandweiten Stromausfall für "nahezu ausgeschlossen". Sollten mehrere ungünstige Faktoren zusammen kommen, könne es aber zu zeitlich und regional begrenzen Stromausfällen kommen.

Unterschied Blackout und Brownout

Die Energiewirtschaft unterscheidet hier zwischen einem Blackout und einem sogenannten kontrollierten Brownout. Ein Blackout beschreibt einen totalen unkontrollierten Stromausfall, der von einigen Minuten bis hin zu mehreren Wochen dauern kann.

Der kontrollierte Brownout dagegen beschreibt eine geplante Reduktion des Strombedarfs – etwa, indem Großverbraucher wie Fabriken oder manche Stadtviertel kontrolliert vom Netz genommen werden.

"Ich bin sehr weit entfernt von Panik."
Nicolas Lieven, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Nicolas Lieven sagt: Wenn es in Deutschland im Winter zu einem Stromausfall kommen sollte, dann wohl eher als kontrollierter Brownout und nicht als Blackout. Es gäbe dann zwar einen Stromausfall – der würde aber vorher angekündigt, sodass sich die Verbraucher*innen in gewisser Weise darauf einstellen können.

"Insgesamt wird aber alles getan, um Stromausfälle zu verhindern", sagt Nicolas Lieven. Dazu zähle zum Beispiel auch der – im Bedarfsfall – Weiterbetrieb zweier Atomkraftwerke in Süddeutschland oder das Abschalten von industriellen Großverbrauchern.

Deutschland gehört weltweit zu den Ländern mit den wenigsten und kürzesten Stromausfällen.

Sollte über einen längeren Zeitraum der Strom ausfallen, hätte das weitreichende Konsequenzen, zum Beispiel:

  • Die meisten Heizungen funktionieren nicht mehr, weil die Umwälzpumpen Strom benötigen.
  • Der Verkehr wäre stark beeinträchtigt, weil Ampeln und der öffentliche Personennahverkehr nicht mehr in Betrieb sind.
  • Viele medizinische Geräte benötigen Strom. Krankenhäuser verfügen in der Regel aber über Notstrom-Aggregate.
  • Die Kommunikation wäre weitgehend eingestellt.

Die möglichen Konsequenzen hängen aber auch stark von der Länge eines Stromausfalls ab. Nicolas Lieven sagt: "Ich bin weit entfernt von Panik."

  • Moderatorin:  Anna Kohn
  • Gesprächspartner:  Nicolas Lieven, Deutschlandfunk Nova