Immer wieder ist vom Wasserstoff als Zukunftsschlüssel für die Energiewende die Rede. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Konstantin Köhler erklärt, wie der Stand der Dinge ist.

Ob aus Klimaschutzgründen oder wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine. Es gibt mehrere Gründe dafür, vom fossilen Brennstoff Gas wegkommen zu wollen.

"Ohne Erdgas geht in Deutschland aktuell gar nichts."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Doch in Deutschland sind Industrie, Kraftwerke und viele Millionen Haushalte auf Erdgas angewiesen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Konstantin Köhler: "Das wird auch noch viele Jahre so bleiben. Deshalb will die Regierung die Gasspeicher voll haben, deshalb kauft sie Gas in Ländern wie Katar ein und baut Flüssiggasterminals in Nord-Deutschland."

Immer mehr Industrieunternehmen setzen auf Wasserstoff

Trotzdem sei Erdgas die "alte Technik". Immer mehr Industrieunternehmen stellen nach und nach auf Wasserstoff um, so Konstantin Köhler. An einigen Orten in Deutschland und Europa werden die ersten großen Wasserstoff-Produktionsstätten gebaut. Die erste Wasserstoff-Lieferung aus Abu Dhabi ist am Hamburger Hafen eingetroffen.

"Mit Erdgas plant niemand mehr irgendeine Zukunft."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

"Vor Kurzem hat mir ein Forscher vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in einem Hintergrundgespräch gesagt: Erdgas ist tot", sagt der Deutschlandfunk-Nova-Reporter. Mit Erdgas plane niemand mehr irgendeine Zukunft. Zum einen, weil Erdgas nicht CO2-neutral ist. Zum anderen, weil Wasserstoff heute schon zum Teil günstiger sei als Erdgas.

Wo der Wasserstoff für Deutschland herkommen soll

Konstantin Köhler vermutet, dass der Wasserstoff für Deutschland in Zukunft aus mehreren Quellen kommen wird. Einerseits kann es in Deutschland selbst durch Wind- und Sonnenstrom produziert werden. Andererseits wird auch viel dazu gekauft werden. Unter anderem mit Norwegen, Kanada, Abu Dhabi, Australien und einigen Ländern in Süd- und Westafrika sind entweder Wasserstoff-Partnerschaften geplant, oder aber es gibt sie schon.

"Der Grundgedanke ist: Alle Länder, die viel Wind- und Sonnenstrom produzieren können und nicht alles selbst brauchen, könnten damit Wasserstoff produzieren und diesen nach Europa verkaufen", sagt der Deutschlandfunk-Nova-Reporter, "denn Europa, speziell Deutschland, wird es nicht schaffen, sich komplett autark mit erneuerbarer Energie zu versorgen."

Schätzungen zufolge wird Wasserstoff in Deutschland zukünftig etwa zehn Prozent des gesamten Energiemarktes ausmachen. "Man will so wenig Wasserstoff wie möglich benutzen, weil die Energieeffizienz ziemlich schlecht ist", sagt Konstantin Köhler.

Andererseits seien zehn Prozent ziemlich viel vor dem Hintergrund, dass die komplette Wasserstoff-Infrastruktur neu aufgebaut werden muss. "Vielleicht können ein paar Erdgas-Speicher oder -Leitungen weiterbenutzt werden", sagt er, "aber vor allem die Produktionsanlagen, die Elektrolyse-Anlagen, müssen erst mal gebaut werden. Beim Erdgas ist das viel einfacher. Das ist ja schon da, muss einfach aus dem Boden nach oben."

Viel Dynamik im Thema Wasserstoff

Insgesamt sei viel Dynamik im Thema Wasserstoff, meint der Deutschlandfunk-Nova-Reporter. "Auf der ganzen Welt gibt es Forschungen dazu. Wirtschaftliche Partnerschaften werden geschlossen, Produktionsanlagen gebaut", sagt Konstantin. So ergeben sich für viele Länder neue Chancen. "Bisher hatten sie entweder Gas oder Öl oder nichts", sagt er. In Zukunft gilt: Alle Länder, die Platz für Windräder und Photovoltaik-Anlagen haben und da rein investieren, können mit sehr hoher Sicherheit die erzeugte Energie verkaufen. Entweder direkt als Strom oder umgewandelt in Wasserstoff. "Es wird viele interessierte Abnehmer auf der Welt geben", vermutet unser Reporter.