Mit einer Strom-Warn-App möchte die französische Regierung über mögliche Stromabschaltungen informieren. Zeigt die App rot an, sollen die Menschen dort Strom sparen. In Frankreich könnte es ab Januar zu Stromengpässen kommen wegen der Reparatur oder Wartung vieler Atomkraftwerke.

Die App Ecowatt soll die Bevölkerung Frankreichs informieren, wann es im Land zu Stromabschaltungen kommen könnte. In der Aufmachung ähnelt sie der deutschen Corona-Warn-App. Auch bei Ecowatt oder auf der gleichnamigen Homepage erhalten Bürgerinnen und Bürger anhand von Farben einen Überblick darüber, ob Gefahren im Anflug sind.

"Grün heißt: Alles in Ordnung beim landesweiten Stromverbrauch, Orange: Es wird schon etwas kritischer und Rot: Achtung, es könnten Stromabschaltungen drohen."
Andi Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Mögliche Stromabschaltungen sollen am Vortag angezeigt werden

Zeit die App Rot dann soll das ein unmissverständliches Signal an alle Franzosen sein, umgehend weniger Strom zu verbrauchen, um Stromabschaltungen noch abzuwenden. Einen Teil der Verantwortung gibt die Regierung also an die Bürgerinnen und Bürger weiter, sagt Netzreporter Andreas Noll, "denn wenn es dann trotzdem zu Stromabschaltungen kommt, dann heißt das im Subtext: Ihr habt nicht genug gespart."

Wenn in den Regionen daraufhin extrem viel Strom gespart wird, könnten Abschaltungen verhindert werden. Der Hintergrund: Weil in Frankreich gerade viele Atomkraftwerke gewartet oder repariert werden müssen, rechnet die Regierung um Emmanuel Macron im Januar mit ernsten Problemen.

Viele Haushalte in Frankreich verwenden Elektroheizungen. Daher ist eine Überlastung des Stromnetzes im Januar möglich, wenn es sehr kalt wird. Einen völligen Blackout will die Regierung in jedem Fall verhindern. "Und deswegen gibt es jetzt exakte Pläne für zeitlich befristete Stromabschaltungen in einzelnen Regionen", erklärt unser Reporter.

Die Regierung verspricht, dass nie mehr als vier Millionen Stromkunden von den Stromabschaltungen betroffen sein werden. Demnach sollen die so genannten Lastabwürfe nicht länger als jeweils zwei Stunden dauern.

"Die sogenannten Lastabwürfe könnten morgens zwischen 8 und 13 Uhr passieren oder abends zwischen 18 und 20 Uhr. Die Botschaft der Regierung ist also: wird schon nicht so schlimm."
Andi Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Auf Social Media formulieren Französinnen und Franzosen ihren Frust über die Pläne der Regierung. Einige kündigen Widerstand an. Andi beschreibt die Vorbehalte im Land gegenüber den Plänen so: "Erst gängelt uns der Staat mit der Corona-App und jetzt sollen wir auch noch Ecowatt installieren."

Im Gegensatz zur Corona-Warn-App werden keine User- und Standortdaten erfasst. Dass im November in Frankreich rund sechs Prozent weniger Strom laut Netzbetreiber verbraucht wurde, liegt wohl an den milden Wetterbedingungen und an Sparmaßnahmen in Betrieben.

  • Kurz und Heute
  • Moderation:  Jenni Gärtner
  • Gesprächspartner:  Andi Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter