Erst feiern die Schüler, dann gibt es den Abikrieg in Köln: Schüler randalieren, greifen Polizisten und sich gegenseitig an, es gibt Verletzte. Irgendwie sind friedliche Partys eskaliert. Der Lehrer Philipp Fidler hat die wilde Mottowoche beobachtet.

Die Mottowoche soll Spaß machen: ein letztes mal ausgelassen feiern, bevor es in die Osterferien und danach in die Abiturprüfungen geht. In Köln haben das einige Schüler maßlos übertrieben und die Aufmerksamkeit von ganz Deutschland auf sich gezogen. "Für mich ist dieser Hooligan-Charakter überhaupt nicht nachvollziehbar", sagt Philipp Fidler, Lehrer an einer Kölner Gesamtschule. Dort blieb alles friedlich.

"Meine Schüler waren so zahm, lieb, rücksichtsvoll und handlebar, dass man sich fragt, ob die wirklich aus der selben Stadt kommen, die da gerade in den Nachrichten ist."
Lehrer Philipp Fidler über seine Schüler während der Kölner Mottowoche

Rivalitäten zwischen verschiedenen Schulen gibt es wahrscheinlich überall, nur gibt es meistens keine Verabredungen zum gegenseitigen Köpfe-Einschlagen. Von "Wohlstandsverwahrlosung" ist die Rede. Für den Lehrer ist die Erklärung zu simpel. Und er fürchtet, dass es im nächsten Jahr ähnlich aussehen wird. Vielleicht sogar noch schlimmer. Aus der Perspektive der Schüler könnte das bedeuten: "Jedes Jahr muss das vorherige noch toppen."

Das Recht, die Sau rauszulassen

Eine echte Erklärung hat Philipp aber auch nicht, eher Theorien: "Ich glaube, dass durch die Verkürzung des Abiturs auf zwölf Jahre die Freizeit als Gegenpol zum schulischen Druck massiv weggefallen ist", vermutet Philipp Fidler. Dieser Druck entlade sich nun umso drastischer und bescheuerter. Die Schüler glaubten, sie hätten bereits etwas erreicht und könnten sich nun erlauben, so richtig die Sau rauszulassen.

Philipp Fidler ist Leher und kotzt sich gerne unter #studenttrror auf Facebook aus.
© Christoph Sterz | DRadio Wissen
Philipp Fidler ist Lehrer und postet unter #studenterror auf Facebook.

Philipp selbst bemüht sich um ein freundschaftliches Verhältnis zu seinen Schülern. Das heißt allerdings nicht, dass er sich nicht auch immer wieder gehörig über sie ärgert. Seinem Ärger macht er auf Facebook unter dem Hashtag #studenterror Luft. "Das ist für mich die Katharsis, kurz bevor ich verzweifle", sagt er, wenn Schüler ihn dazu bringen, nur noch mit dem Kopf zu schütteln.

Sein Lieblingsbeispiel: Ein Schüler hat versucht, ihm die hübsche Wortkreation in einer Englisch-Klausur "Chuckmafta" unterzujubeln. Es reicht eben nicht, in deutschen Wörtern ein paar Buchstaben umzutauschen, um ein englisches Wort zu bekommen. "Chuckmafta" sollte so viel heißen wie "schmackhafter".