Wenn Frauen unfruchtbar sind, kann das in sechs Prozent der Fälle an der Gebärmutter liegen. Bisher gab es dann nur wenig Hoffnung auf eine Schwangerschaft. Forschende konnten nun eine Ersatz-Gebärmutter bei Kaninchen einpflanzen.

Bei Frauen, die aufgrund ihrer Gebärmutter keine Kinder bekommen können, sind die Ursachen unterschiedlich: Eine Gebärmutter kann von Geburt an fehlen, sie kann nicht funktionieren, wie sie sollte, oder sie kann aufgrund einer Krankheit entfernt worden sein. Lange konnte man dagegen kaum etwas tun. Mittlerweile gibt es zwar Spenderorgane, doch diese sind sehr selten und werden in vielen Fällen wieder vom Körper abgestoßen.

Forschende haben nun anhand von Experimenten mit Kaninchen eine künstliche Gebärmutter herangezüchtet. Vier der zehn Kaninchen wurden mit der neuen Gebärmutter tatsächlich schwanger. Die Ergebnisse haben die Forschenden des Wake Forest Institute for Regenerative Medicine im Fachmagazin Nature Biotechnology veröffentlicht.

Gebärmutterzellen auf einem Stützgerüst

Die Forschenden haben die echte Gebärmutter der Kaninchen-Weibchen entfernt und dann aus der Gebärmutterschleimhaut und der äußeren Muskelschicht Zellen entnommen. Diese Zellen wurden im Labor auf einer Art künstlichem Stützgerüst aus Kunststoff angebracht. Der Kunststoff ist biologisch abbaubar.

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Dieses Gerüst haben die Forschenden den gleichen Kaninchen wieder eingepflanzt, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Matthis Dierkes.

Ersatz-Gebärmutter hat sich angepasst

Nach sechs Monaten durften sich die Kaninchen paaren, und fast die Hälfte von ihnen wurde schwanger. Die Kaninchen-Embryos haben sich in der Gebärmutter anscheinend wohlgefühlt und ganz normal entwickelt.

"Die Kaninchen-Embryos haben sich in der Ersatz-Gebärmutter eingenistet und ganz normal gewachsen. Und die Gebärmutter selbst hat sich auch angepasst über die Schwangerschaft. Also alles so, wie es sein sollte."
Matthis Dierkes, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

In nächsten Schritten müssten die Forschenden die Ersatzgebärmutter bei anderen Tieren ausprobieren. Und es sollte eigentlich noch eine bessere Quote als nur vier von zehn Schwangerschaften herauskommen, sagt Matthis Dierkes.

Anwendung bei Menschen noch unklar

Bis dieses Prinzip auch für Menschen nutzbar ist, kann noch etwas dauern. Denn ganz gleicht die Ersatz-Gebärmutter einer natürlichen Gebärmutter nicht, sagt Matthis Dierkes. Auf jeden Fall müssten dann alle Babys per Kaiserschnitt geboren werden, da sich die künstliche Gebärmutter nicht so zusammenziehen kann wie eine natürliche. Hinzukommt, dass menschliche Embryos viel größer sind - die Belastung für das künstliche Organ wäre dementsprechend größer.

"Man darf auch nicht vergessen, dass menschliche Embryos im Verhältnis deutlich größer als die von Kaninchen. Das heißt: Das künstliche Organ wird stärker belastet und man muss mal sehen, ob es das bei Frauen auch aushält."
Matthis Dierkes, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Vor allem bei Frauen, die gar keine Gebärmutter mehr haben, stellt sich zudem die Frage, woher die Zellen für eine künstliche Gebärmutter hergenommen werden könnten. Hier müssten die Zellen erst noch künstlich im Labor in Gebärmutterzellen umgewandelt werden. Es muss also noch viel ausprobiert werden, sagt Matthis Dierkes.