"Die andere deutsche Teilung: Zustand und Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft" – das ist der Titel einer neuen Studie, die einen anderen Blick auf die Gesellschaft wirft. Vor allem auch auf diejenigen, die in Deutschland die AfD wählen. Jérémie Gagné hat an der Studie mitgearbeitet und erklärt die sechs neuen Kategorien, um unsere Gesellschaft zu beschreiben.

Politikwissenschaftler tun sich schwer, zu verstehen, warum Menschen populistische Parteien wählen. Traditionell wird die Gesellschaft für Studien und Analysen nach Kategorien, wie etwa Verdienst, Wohnort, Alter oder Bildung eingeteilt. "Wir sind andere Wege gegangen, weil uns diese Kategorien heutzutage eigentlich nicht mehr helfen, zu verstehen, was passiert", sagt Jérémie Gagné, einer der Autoren der Studie "Die andere deutsche Teilung: Zustand und Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft". Die Studie sucht jetzt mithilfe sechs neuer Kategorien nach Erklärungsansätzen.

"Mit dem Einkommen allein, können sie nicht mehr erklären, wie jemand politisch tickt, beispielsweise in Fragen bezüglich Einwanderung."
Jérémie Gagné, Studienautor

Die Offenen

Den "Offenen" werden so bezeichnet, weil ihnen eine offene Gesellschaft am Herzen liegt. Ihnen geht es darum, das Jede und Jeder die Möglichkeit hat, sich frei und ungehindert zu entfalten. Die Offenen halten, so Jérémie Gagné, nicht viel von Traditionen und altem Gruppendenken. Diese Gruppe hinterfragt alles, was als "Standard" gilt. In Deutschland sind das etwa 16 Prozent der Bevölkerung.

Die Involvierten

Etwa 17 Prozent der Gesellschaft zählen zur Gruppe der "Involvierten", "denen das demokratische Miteinander extrem wichtig ist", erklärt Jérémie Gagné. Bürgersinn, Engagement für die Gesellschaft – das sind Werte, die für diese Gruppe eine große Rolle spielen.

"Die Pragmatischen sind ein hochspannender Typ und in unserer Analyse mit Abstand der jüngste."
Jérémie Gagné, einer der Autoren der Studie "Die andere deutsche Teilung: Zustand und Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft"

Die Etablierten

Diese Gruppe ist zufrieden mit dem Zustand der Gesellschaft und möchte vor allem, dass alles so bleibt, wie es ist. 17 Prozent der deutschen Gesellschaft zählen zu dieser Gruppe. Sie sind wertkonservativ, wünschen sich, dass alles seinen Gang geht, dass der gesellschaftliche Frieden bewahrt wird und das Ruhe herrscht.

Die Pragmatischen

Jérémie Gagné findet diese Gruppe besonders spannend, weil sie in der Analyse der jüngste Typ sind. Ihr besonderes Merkmal ist, dass im Großen keinen wirklichen zur Gesellschaft haben. "Sie beschäftigen sich wenig mit großen gesellschaftlichen fragen", so der Studienautor. Sie beschäftigen sich eher mit ihrem persönlichen Leben und sind an Erfolg und privatem Fortschritt interessiert. Die Gruppe umfasst etwa 16 Prozent der Gesellschaft.

Moralvorstellungen und Überzeugungen als Grundlage für die neuen Typen

Die Enttäuschten

Dieser Gruppe ist Gemeinschaft und eine gerechte Gesellschaft extrem wichtig. Sie wünschen sich Wertschätzung. Ihr Problem ist, dass aus ihrer Sicht all diese Dinge derzeit überhaupt nicht erfüllt werden. 14 Prozent der Gesellschaft gehören dazu.

Die Wütenden

19 Prozent werden den "Wütenden" zugeordnet. Sie gehen am stärksten mit der Demokratie ins Gericht und mit der Richtung, in die sich Deutschland derzeit entwickelt. Diese Gruppe kennzeichnen ein starker Nationalismus. Traditionen und die Vertreter dieser Gruppe gehen hart mit den Eliten ins Gericht, denen sie Verrat an der Gesellschaft vorwerfen.