Gute Texte oder lustige Bilder teilen macht erst einmal Spaß. Und es zeigt natürlich auch, wie belesen wir sind, was für spannende Videos, Texte oder andere Links wir im Netz finden. Denken wir. Chinesische Forscher haben jetzt getestet, wie sich Surfen und Retweeten auf unsere Gehirnleistungen außerhalb des Netzes auswirken.

Für die Studie haben chinesische Forscher der Cornell University in den USA und an der Bejing University in China zusammengearbeitet und Studenten getestet. Dabei kam heraus, dass Collegestudenten, die irgendwas retweetet haben, anschließend bei einem Test doppelt so oft falsch antworteten wie die Kommilitonen aus einer Kontrollgruppe. In der Kontrollgruppe waren Studenten, die die Artikel einfach nur gelesen haben.

Studenten kapieren nicht, worum es wirklich geht

Die Forscher haben allen Teilnehmern je 40 Posts von Weibo zur Verfügung gestellt. Weibo ist die chinesische Twitter-Variante. Bei den Posts ging es um das gleiche Thema. Die eine Gruppe sollte nur lesen, die andere Gruppe sollte lesen und alle Posts retweeten, die die Studenten besonders interessant finden. Die Forscher stellten dabei fest, dass die Retweeter bei einem Verständnistest schlechter abschnitten als diejenigen, die nur gelesen hatten. In der Gruppe der Retweeter fiel den Forschern auch auf, dass die Studenten gar nicht kapiert hatten, was sie da bei Weibo teilen.

In der Analyse, die den schönen Titel trägt "Macht uns micro-blogging oberflächlich?", und die in der Zeitschrift Computers in Human Behaviour veröffentlicht wurde, gaben die Forscher folgende Erklärung: Sie sagten, die Feedback-Funktion in einem Social Network verleite uns zu schnellen Aktionen. Sie nehme uns die Zeit, die wir normalerweise darauf verwenden, um einen Inhalt zu verstehen und den Inhalt der Information zu integrieren, also nachhaltig im Gedächtnis abzuspeichern. Die Forscher vermuten, dass die Entscheidung darüber, ob man etwas im Netz teilt oder nicht, so viele Ressourcen auffrisst, dass es zu einer "kognitiven Überlastung" kommt.

"Und das kommt jetzt bestimmt vielen von euch bekannt vor, denn wer hat nicht schon mal mehr Zeit mit der sorgfältigen Komposition eines Facebook-Posts verbracht als mit dem Lesen der Geschichte an sich?"
Martina Schulte, Netzautorin

Es gibt weitere Studien, die zu ähnlichen Ergebnissen kommen, zum Beispiel eine Studie im Journal of the Royal Society von Interface-Forschern, die zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen sind: Nämlich dass die Massenkonnektivität, die uns das Internet durch Social Media ermöglicht, zwar schlauer aussehen lässt, uns aber de facto dümmer macht. Genau wie in der chinesischen Studie heißt es, dass viele unserer täglichen Aktionen im Netz zu schlechterer Gedächtnisleistung führen.

Die Schattenseite vom Teilen im Netz

Qi Wang, Professorin an der Cornell University und Mitautorin der chinesischen Studie sagte in einem Statement: Die meisten Menschen würden gar keine eigenen Ideen mehr posten, sondern das, was sie lesen, mit Freunden teilen. Das Problem: Die meisten Menschen realisieren nicht, dass das Teilen eine Schattenseite hat, die auch unser Offline-Verhalten betrifft.

Dieses verringerte Verständnis für Zusammenhänge, das Wang und die anderen Forscher festgestellt haben, kann auch dann auftreten, wenn wir offline Bücher oder Zeitungen lesen. Das haben die chinesischen Forscher in einem zweiten Test festgestellt. Dabei haben sie geschaut, was passiert, wenn Menschen offline sind, zum Beispiel lesen und davor im Netz gesurft haben. Auch in dieser Situation konnten die Forscher den gleichen Effekt der mentalen Überlastung beobachten. Wang schließt daraus, dass diejenigen, die vor einer Prüfung viel im Netz unterwegs sind, schlechter abschneiden werden als die, die sich digital zurückhalten.