Eine Studie sorgt für Aufruhr. Ruud Koopmans hat für das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung den Fundamentalismus und die Fremdenfeindlichkeit von Muslimen und Christen in Europa untersucht. Allerdings lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Die Zahlen klingen alarmierend: 44 Prozent der deutschen Muslime sind Fundamentalisten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Ruud Koopmans für das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Er hat die Fremdenfeindlichkeit von Muslimen und Christen in Europa untersucht.

Fundamentalismus - was ist das?

Als Erstes stellt sich die Frage, woran die Forscher Fundamentalismus bei ihren Befragten festmachen. Elhakam Sukhni von der Universität Osnabrück erklärt, dass dabei vor allem drei Fragen nachgegangen wurde:

  • Wie wichtig sind den Befragten die Wurzeln ihrer Religion?
  • Glauben sie, dass nur eine Auslegung ihres Glaubens möglich ist?
  • Sind ihnen die Regeln dieser Religion wichtiger als die staatliche Gesetzgebung?

Elhakan Sukhni hat seine Zweifel an diesem Vorgehen. Der Grund: Die Antworten auf diese Fragen sagten nichts über die Lebensrealitäten der Befragten aus. Außerdem stellt sich wie immer die Frage, wie repräsentativ die Untersuchung ist. Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung hat insgesamt 1500 Personen in Deutschland befragt. Darunter auch Menschen mit muslimischen und christlichen Eltern, die den Christen zugerechnet wurden. Bei den Muslimen wurden nur Bürger befragt, die Wurzeln in der Türkei oder Marokko haben.

Die Frage nach den Wurzeln

Und auch mit den Fragen an sich hat der Islamwissenschaftler seine Probleme. So stelle sich die Frage, was darunter zu verstehen sei, wenn ein Mensch zu den Wurzeln seiner Religion zurückkehren wolle. Für einen Muslim bedeute dass, vor allem den Koran als Fundament für die eigene Lebensweise zurate zu ziehen. Und so lebten auch moderne reformistische Bewegungen im Islam. Oft gehe das auch mit Kritik an anderen Glaubensrichtungen im Islam einher, die nicht verstanden hätten, was Mohammed eigentlich sagen wollte. Kurz: Wer sich auf die Wurzeln des Islams beziehe, habe nicht zwangsläufig ein Problem mit der Moderne, so Elhakan Sukhni.

"Wenn jemand sagt, dass für ihn die Religion wichtiger ist, als das Gesetz, heißt das nicht gleich, dass er das Grundgesetz ablehnt."
Elhakam Sukhni von der Universität Osnabrück

Auch bei einem anderen Ergebnis der Befragung rät der Islamwissenschaftler, genauer hinzuschauen. Elhakan Sukhni hätte mehr Interesse an der Frage gehabt, ob Muslime glauben, dass das Grundgesetz ihren religiösen Überzeugungen widerspricht. Wenn ein Befragter angibt, dass für ihn die Religion wichtiger als das Gesetz sei, heiße das noch lange nicht, dass er das Grundgesetz ablehnt oder dass er bereit sei, Straftaten zu begehen.

Abgrenzung zur Mehrheitsgesellschaft

Dazu komme auch noch, dass in vielen europäischen Ländern Muslime einen schwächeren sozialen Status hätten und sich oft noch nicht in der Gesellschaft angekommen fühlten, so Elhakan Sukhni. Eine mögliche Folge: Sie grenzen sich ab und berufen sich verstärkt auf ihre eigene Religion. Das bedeute aber nicht unbedingt, dass diese Menschen auch religiös seien. Viel stärker sei ein anderer Impuls: die Abgrenzung zur Mehrheitsgesellschaft.